«Der Sommer war sehr groß», schreibt Rilke. Wenn die Früchte voll sind und die Reben schwer, kommt die Zeit fürs Erntefest. Jetzt schöpfen die Völker der Erde aus dem Vollen. Mit reich gedeckten Tafeln, mit Tänzen, Ritualen und farbenfrohen Kostümen. Neben der Getreidekrone im christlichen Erntedank werden viele Symbole der Fruchtbarkeit verehrt, fremde Götter und auch heidnische Figuren. Etwa der keltische green man, der in Menschengestalt die Natur verkörpert und daran gemahnt, unseren Planeten zu ehren – und zu feiern. Zu Hause wie auf Reisen in fernen Ländern.
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In traditionellen Trachten feiert das Volk der Hani sein Erntefest auf den Reisterrassen von Yuanyang.
Ein Reisbankett
Aus der Vogelperspektive erinnern die Felder von Yuanyang mit ihren sinnlichen Farben und Linien an ein spätimpressionistisches Gemälde – aus europäischer Sicht könnte man gar meinen, Vincent Van Gogh hätte hier als Landschaftsgärtner gewirkt. Doch die Terrassen wurden bereits vor vielen hundert Jahren geschaffen: vom Volk der Hani, das seit je eine nachhaltige Form des Reisanbaus pflegt. Wald und Dorf, Kulturland und Fluss – diese vier Lebenswelten haben die Menschen in Einklang gebracht.
Auf den Terrassen feiern sie in traditionellen Trachten die Erntezeit. Höhepunkt der Festivitäten ist das „Bankett der langen Tafel“, changlong genannt – „langer Drachen“, das nächste Mal am 10. Januar 2011. Die Bewohner in dem Dorf Habo (eine Tagesreise von Kunming) begehen das Mahl besonders ausschweifend und reihen dazu auf der Straße Hunderte von Tischen aneinander.
Reisen in die chinesische Provinz Yunnan (von Vietnam aus) organisiert unter anderem der nachhaltige Verband „Forum anders reisen“.
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