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Korridore für die Dickhäuter
Indien: Korridore für Elefanten
Reservate allein sichern nicht immer das Überleben von gefährdeten Tieren. Für Elefanten zum Beispiel sind sie häufig zu klein. Die Folge: Entweder die Dickhäuter sterben aus – oder sie brechen aus, um anderswo Nahrung zu suchen. Sie zertrampeln und fressen, was die Bauern angepflanzt haben. Indien mit seinem schnellen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum ist ein typisches Beispiel für Konflikte zwischen Mensch und Tier, zwischen Landnutzern und Landschützern. Der Staat mit einer Milliarde Menschen beherbergt 60 Prozent der 35000 bis 55000 Asiatischen Elefanten, die heute noch wild in dichten Regenwäldern leben. Die Schwachstellen der Schutzprojekte sind die Korridore zwischen den Reservaten. Der Wildlife Trust of India (WTI) hat 88 solcher Landstreifen registriert, auf denen Elefanten über größere Distanzen hin- und herwandern. Die Schutzgebiete Siju und Rewak im Bundesstaat Meghalaya zum Beispiel, die in den Garo-Bergen nahe der Grenze zu Bangladesch liegen, werden in ihrer Mitte vom Simsang River durchflossen. Nur vier Furten mit seichten Stränden bleiben den Elefanten, um auf die andere Seite zu gelangen – ansonsten sind die Ufer viel zu steil für die Passage. Im südindischen Bundesstaat Kerala brauchen die Tiere einen sechs Kilometer langen und eineinhalb Kilometer breiten Korridor, um zwischen den Waldreservaten Tirunelli und Kudrakote zu wechseln. Der World Land Trust (WLT) mit Sitz in England fördert den Ankauf der nötigen Landflächen und die Finanzierung von Bildungsprogrammem für Anrainer. Um die unvermeidlichen Konflikte zu entschärfen, sollen Einheimische, die rund um Schutzgebiete leben, zum Umzug bewegt werden. Vorteile: bessere Häuser, sichere Ernte, neue Kenntnisse nachhaltiger Landwirtschaft. Korridore für Tiger und Sambar-Hirsche könnten folgen.
Info: www.worldlandtrust.org
Namibia: Schutz für Menschen und Raubtiere
Der Caprivi-Streifen ist ein geopolitisches Unikat. Er kam 1890 durch einen Landtausch zweier europäischer Kolonialmächte zustande, die damals Afrikas Grenzen mit ein paar Strichen auf der Landkarte zogen. Nach zähen Verhandlungen mit England erreichte Reichskanzler Leo von Caprivi, der Nachfolger Bismarcks, dass Deutschland von seiner Kolonie Südwestafrika aus einen Zugang zum Sambesi erhielt. Der 450 Kilometer lange, aber nur 30 Kilometer breite Streifen, der sich wie ein Keil zwischen Angola und Botswana bis nach Sambia schiebt, ist ein Tierparadies, allerdings viel weniger besucht als das weltbekannte Okavango-Delta. Im Nationalpark Mamili, im Caprivi-Delta und in vier dorfeigenen Reservaten leben Löwen, Leoparden, Geparde, Wildhunde und Hyänen. In diesem Gebiet, heute eine von 13 Regionen des Staates Namibia, organisiert die in England und Deutschland ansässige Umweltinitiative Biosphere Expeditions Einsätze von Freiwilligen. Auch ohne Vorkenntnisse können sie auf diese Weise Naturschutz hautnah miterleben.
In der heißen, trockenen Jahreszeit von April bis Dezember streifen sie mit Geländewagen durch die Savanne, um wilde Tiere einzufangen und sie für kurze Zeit zu betäuben, so dass ihnen Halsbandsender angelegt werden können – damit werden die Wanderungsbewegungen erfasst, und bei Gefahr für die Dörfer wird Alarm ausgelöst. Die Helfer assistieren überdies bei Viehzucht-Kursen, bei denen der Bau eines raubtiersicheren Krals im Vordergrund steht. Solarlampen, die nachts die Dörfer erhellen sollten, erwiesen sich nicht als tauglich. So wurden mit dem verbliebenen Geld leicht lesbare Infobroschüren gedruckt.
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