Baskenland: Wo der Geschmack zu Hause ist

Die baskische Küche gehört zu den besten in ganz Spanien. Zum Teil liegt das an den hervorragenden Zutaten, zum Teil an der Experimentierfreudigkeit der baskischen Köche, die regionale Traditionen gekonnt mit kulinarischen Innovationen vereinen. Vor allem aber liegt es wohl einfach an der Liebe zu gutem Essen, die alle Basken miteinander verbindet.

Baskenland-Essen

Bild: Shutterstock / Gonzales & Zarraoandia Vergrößern

Die eine Seite dieser Leidenschaft zeigt sich in der regionalen Vielfalt der Spitzengastronomie. Kulinarische Hochburg des gesamten Baskenlandes ist St. Sebastián (baskisch: Donostia). Nirgendwo auf der Welt versammeln sich so viele Michelin-Sterne auf engstem Raum. Zehn Restaurants in St. Sebastián und Umgebung können zusammen 18 der begehrten Auszeichnungen aufweisen. Die renommierten Starköche setzen dabei vor allem auf zwei Dinge: erstklassige Zutaten aus der Region und einen ausgeprägten Perfektionismus bei der Verarbeitung. Ausgangspunkt der meisten Menüs ist die traditionelle baskische Küche – auch wenn sie meist in veredelter Form oder in ungewöhnlichen Kombinationen auftritt. Unter anderem deshalb ist die gastronomische Elite hier längst nicht so abgehoben wie andernorts. Schließlich haben viele der heutigen "Stars" der Restaurantszene, beispielsweise Juan Mari Arzak oder Martin Berasategui, ihr Handwerk zuallererst von ihren Müttern und Großmüttern erlernt. In den Gourmettempeln von St. Sebastián sind daher auch nicht nur die oberen Zehntausend zu Gast. Zu besonderen bestimmten Anlässen gönnt sich auch der Durchschnittsbaske hier gelegentlich einen Gourmet-Abend. Wer ebenfalls in den Genuss dieser kulinarischen Highlights kommen möchte, muss allerdings vorausschauend planen: Die meisten der Topadressen sind über Monate hinweg ausgebucht.

Dass die baskische Vorliebe für Gaumenfreuden sich nicht nur in den Geschmacksexperimenten der renommierten Küchenchefs manifestiert, beweisen vor allem die zahlreichen Sociedades Gastronómicas. Bei ihnen handelt es sich um Kochgesellschaften, in denen sich meist ausschließlich männliche Mitglieder zusammenfinden, um gemeinsam zu kochen, zu genießen und zu feiern. Oft verfügen die Kochclubs über eigene Vereinsräume inklusive Speisesaal und bestens ausgestatteter Küche. Nur gelegentlich werden auch Frauen zu den Schlemmereien zugelassen. Auch für Touristen sind sie meist nicht zugänglich – es sei denn, man hat das Glück, von einem Mitglied zu einer Verkostung eingeladen zu werden. Das Erlebnis einer bodenständigen baskischen Küche mit einer Prise Extravaganz sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Darüber hinaus lernt man bei einem solchen Abend mit Kochen, Essen, Musik und Kartenspiel vor allem eines: Für die Basken gehört zum Genuss auch immer die Geselligkeit.

Wer sich nach den zehngängigen opulenten Menüs der Spitzenköche oder einem Abend der Schlemmerei in den Sociedades Gastronómicas nach einer kleinen aber feinen Stärkung für Zwischendurch sehnt, der hat im Baskenland die Qual der Wahl. Eine regionale Besonderheit sind Pintxos (spanisch: Pinchos). Dabei handelt es sich, ähnlich wie bei den im restlichen Spanien verbreiteten Tapas, um kleine Appetithäppchen, die in Bars zum äußerst trockenen Weißwein, dem Txakoli, gereicht werden. Pintxos sind allerdings meist noch etwas aufwendiger als Tapas. Oft handelt es sich um kunstvolle Kreationen, die der ganze Stolz der jeweiligen Bar sind. Alljährlich findet in St. Sebastián, ein Wettbewerb um die besten Pintxos statt. Jeder Baske hat dabei seine persönlichen Favoriten. Am besten begibt man sich selbst auf Entdeckungstour und lässt sich von der Vielfalt der kleinen Köstlichkeiten begeistern.

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