Was sind Sehenswürdigkeiten? Ein Hingucker, Blickfang, Augenschmaus? Ohne Zweifel die Meisterwerke der menschlichen Schaffenskraft: etwa jene einzigartigen Orte der Kultur, die alljährlich von der Unesco ausgezeichnet werden. 2010 richtet sich die Aufmerksamkeit der Welt auf 15 neu prämierte Stätten – die sich natürlich auch als Reiseziele einen Namen machen. Eine Auswahl: die Bischofsstadt Albi im Südwesten Frankreichs, die heiligen Tempel von Dengfeng in China und das Oberharzer Wasserregal, ein System für erneuerbare Energie aus Deutschlands Mittelalter.
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Die Bischofsstadt Albi: Backsteingotik am Fluss Tarn.
Albi, Frankreich
Die rote Stadt Albi ist ein geheimnisvolles Labyrinth – ein Traum für Reisende, die sich gern im Gewirr der Gassen treiben lassen, um die Architekturgeschichte der Gotik und der Renaissance zu erleben. Rostfarben gebrannte Backsteingemäuer, wohin das Auge schaut. Ihre Blütezeit verdankte die mittelalterliche Stadt am Ufer des Flusses Tarn hingegen der Farbe Blau! Der Rohstoff dafür wurde aus einer Pflanze gewonnen: dem Färberwaid, auf Französisch le pastel. Das Kreuzblütengewächs diente dazu, Tuch auf natürliche Weise blau zu färben, lange bevor das Indigo aus Übersee importiert wurde.
Der Landstrich zwischen Albi, Toulouse und Carcassonne – das „Blaue Dreieck“ – wies ideale Böden und Klimabedingungen auf, um die Art Isatis tinctoria zu kultivieren. So kamen die Kaufleute zwischen 1450 und 1560 zu einigem Wohlstand. Bis heute prägt die Kultur der Waidmagnaten das Antlitz der Stadt. Aus den Höfen ragen die Türme der prachtvollen Patrizierhäuser empor, zum Beispiel am Hôtel de Reynès. Und die Farbe selbst? Eine Dauerausstellung über die Pastel-Wirtschaft zeigt das Château Musée de Magrin rund 60 Kilometer südlich von Albi.
Adressen: albi-tourisme.fr und pastel-chateau-musee.com
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