Australiens Giganten der Urzeit

Autor: Joel Achenbach  —  Bilder: Amy Toensing, Illustrationen von Adrie und Alfons Kennis

Die Höhlen von Naracoorte liegen in der ländlichen Wein-Region im Süden Australiens , etwa vier Autostunden von Adelaide entfernt. Die Reben gedeihen hier auf einem roten Boden, der wie ein Teppich über dem porösen Kalkstein liegt. Es ist eine malerische Gegend, aber sie hat auch ihre Tücken. Der Karstboden ist von großen Löchern durchsetzt – wahren Fallgruben. Sie reichen bis in tiefes Dunkel hinab und haben schon viele Kängurus verschluckt, die hier einst arglos durch die Nacht hüpften.

Im Jahr 1969 kam der junge Fossilienjäger Rod Wells nach Naracoorte, um die sogenannte Victoria-Höhle zu erkunden. Eine alte Sehens­würdigkeit mit Stufen, einem Handlauf und elektrischem Licht. Wells und ein halbes Dut­zend Kollegen ließen den touristischen Teil hin­ter sich und tasteten sich durch die Dunkelheit der engen Gänge weiter. Als sie einen Luftzug spürten, der von einem Haufen losen Gesteins zu ihnen herüberwehte, wussten sie, dass sich dahinter ein Hohlraum verbergen musste.

Wells und ein weiterer Forscher glitten in die riesige Höhlenkammer hinüber. Der Boden war mit seltsamen Dingen übersät. Wells brauchte eine Weile, um zu begreifen, was sie da sahen: Knochen, massenweise Knochen. Von Tieren, die in diese Grube gefallen waren.

In der Victoria Fossil Cave, wie dieser Ort heute heißt, liegen Knochen von rund 45000 Tieren. Einige der ältesten stammen von Krea­turen, die viel größer und furchterregender waren als alles, was heute in Australien lebt. Sie gehörten zur urtümlichen Megafauna des Kontinents. Die riesigen Tiere durchstreiften das Land im Erdzeitalter Pleistozän, das vor rund 2,6 Millionen Jahren begann und mit dem Holozän vor etwa 11700 Jahren endete. Auch in Deutsch­land gab es in jener Zeit solche Giganten (siehe „Im Reich der Waldelefanten “, April-Heft 2010).

Überall in Australien haben Forscher die Fos­silien der Urzeitriesen entdeckt. Beuteltierähn­liche Wesen mit den Ausmaßen eines Nashorns. Ein zwei Meter großes Känguru. Die Überreste einer Kreatur, die dem Tapir ähnelte. Und Kno­chen eines Tiers, das aussah wie ein Nilpferd. Außerdem eine sechs Meter lange Echse, die ihrer Beute auflauerte, um sie im Ganzen zu verschlingen. Die australische Megafauna beherrschte den gesamten Kontinent – und ver­schwand dann in einer Welle des Aussterbens, die damals nahezu jedes Tier erfasste, das mehr als 45 Kilo wog.

Aborigines, Traumlandschaften und eine skurrile Tierwelt: Mehr zu Australien erfahren Sie auf unserer Special-Seite!

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(NG, Heft 11 / 2010, Seite(n) 132)


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