Bedroht

Artikel vom 01.04.2009  —  Autor: Verlyn Klinkenborg  —  Bilder: Joel Sartore

Die letzte Ruhestätte ist eine Glasflasche in der Sammlung des Naturhistorischen Museums von Florida. Die Augen der Schwarzen Strandammer (Ammodramus maritimus nigrescens) sind verkrustet, die Federn im konservierenden Alkohol zerfleddert. Wie man am Etikett ablesen kam, starb der Vogel, ein Männchen, am 16. Juni 1987. Dreieinhalb Jahre später erschien im amtlichen Mitteilungsblatt der US-Regierung eine dürre Meldung: Die Schwarze Strandammer sei ausgestorben und werde hiermit von der Liste der gefährdeten Tierarten gestrichen. Weder die Art noch ihr Lebensraum - die Salzmarschen auf Merritt Island - unterlägen weiterhin dem gesetzlichen Schutz. Die Ausrottung der Strandammern war keine Absicht. Niemand wollte sie essen, niemand jagte sie aus sportlichem Ehrgeiz.

Ozelot

Bild: Joel Sartore Vergrößern

Wild leben Ozelots in den USA nur noch in Texas. Einige dieser scheuen Raubkatzen streifen durch abgelegene Regionen Mittel- und Südamerikas, aber genaue Daten, wie viele es sind, gibt es nicht.

Ihre Nester wurden nicht geplündert, und sie fielen auch keiner eingeschleppten Raubtierart zum Opfer. Doch die Menschen brauchten Bauland. Also spritzten sie DDT gegen die Mücken und errichteten Einfriedungen, in denen Süßwasserpflanzen an die Stelle der Salzmarschvegetation traten. Die Schwarzen Strandammern, speziell angepasst an das Leben im Schlickgras, verloren Nahrung und Brutraum. Alles, was von ihnen blieb, ist ein Vogel in einer Flasche.

Der Endangered Species Act (ESA) - das Gesetz zum Schutz bedrohter Arten - erwies sich in diesem Fall als nutzlos. Seit der damalige US-Präsident Richard Nixon 1973 das Gesetz unterzeichnet hat, soll es wie eine Art Quarantänestation wirken, ein zeitweises juristisches Refugium für Lebensformen, die von Ausrottung bedroht sind. Ganz korrekt hieße der ESA besser "Gesetz zum Schutz gefährdeter Arten und ihrer Lebensräume". Denn eigentlich soll es Arten schützen, indem man ihre ureigenen Lebensräume benennt und erhält. Das können alte Wälder für den Fleckenkauz sein oder der Little Tennessee River für den fingerlangen Zwergbarsch Percina tanasi. Das Gesetz war immer umstritten, weil "Schutz der Lebensräume" in der Regel bedeutet, dass Menschen diese Ökosysteme nicht verändern dürfen. Und da fangen die Probleme an. Der Wortlaut ist streng und eindeutig.

Das Gesetz schreibt allen staatlichen Behörden und Einrichtungen vor, sich aktiv für den Schutz solcher Arten einzusetzen, die in einer Liste als endangered (vom Aussterben bedroht) oder threatened (gefährdet) erfasst sind. Dazu muss die US-Bundesregierung mit den Regierungen der Einzelstaaten zusammenarbeiten. Die Vereinigten Staaten mussten zudem einige internationale Abkommen umsetzen, mit denen Arten vor dem Aussterben bewahrt werden sollen.

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(NG, Heft 4 / 2009)


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