Blautopf: Einstieg in Deutschlands schönste Höhle

Autor: Tom Dauer  —  Bilder: Michael Schopper / ARGE BLAUTOPF

Jetzt müsste ich mich fallen lassen, rücklings. Von dem kleinen, schlammverschmierten Felspodest, auf dem ich stehe, hinab in den aufgeblasenen Lkw-Schlauch, der vor mir auf dem Wasser treibt. Aber ich kann nicht. Noch nicht. Ich muss erst noch schauen.

Schaue hinein in die unterirdische, nur spärlich vom Licht dreier Stirnlampen erhellte Halle. 40 Meter hoch, 25 Meter breit, 100 Meter lang. Darin liegt, fast zehn Meter tief, ein See, schwarz wie ein Tintenfass. Aus dem Wasser ragen Felsen empor, hohe Säulen, senkrechte Wände, enge Nischen, über und über mit Sinter und Tropfsteinen bedeckt. Im Streiflicht funkeln sie in allen Schattierungen, von schlohweiß bis schwarz. Die Luft ist feucht, schwer, greifbar fast, wie nach einem Gewitterregen. Ganz leise erklingt von irgendwoher ein Tropfen – trip, trop, trip, trop. Ein Geräusch, das schon seit Jahrmillionen durch diese Dunkelheit hallt.

«Tom! Hey, was ist los?» Die Stimme von Andreas Kücha durchbricht die Stille. Er und Jochen Malmann, beide Höhlenforscher, haben mich hergeführt: an einen Ort, den bisher nur wenige Auserwählte gesehen haben. Wir sind in der Blauhöhle, genauer gesagt im „Mörikedom“, einen Kilometer nordwestlich vom Blautopf. Der trichterförmige See, aus dem die Blau entspringt, ist 40 Meter breit, aber 21 Meter tief. Durch die „Düse“, einen nur 1,40 Meter schmalen Spalt am Grunde der Quelle, gelangt man in ein weitverzweigtes, unterirdisches Labyrinth.

Video: 2012 wurden Markierungsversuche im Blautopf vorgenommen um den Höhlenfluss zu untersuchen. Sehen Sie hier das Video der Arbeitsgemeinschaft Blautopf zu diesem Versuch:

Mehr Informationen finden Sie auf unserer Themenseite Höhlen sowie auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft Blautopf.

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(NG, Heft 4 / 2014, Seite(n) 38 bis 65)

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