Der Schatz der „Bom Jesus“

Autor: Roff Smith  —  Bilder: Amy Toensing

Geschichte verläuft nur selten wie im Märchen. Manchmal aber doch. Wir sind im 16. Jahrhundert, ein portugiesisches Handelsschiff ist unterwegs zu einem der berühmten Gewürzhäfen an Indiens Küste. Noch bevor es die Südspitze Afrikas umrundet hat, gerät es in einen Sturm und kommt weit vom Kurs ab. Tage später sinkt es an einer nebelverhangenen Küste, wo dereinst Millionen Karat an Diamanten gefunden werden sollten – eine grausame Verhöhnung jedes Seemannstraums vom Reichwerden. Keiner der Schiffbrüchigen kehrt nach Hause zurück.

Dieses Unglück wäre ohne glückliche Fügung auf immer vergessen geblieben. Am 1. April 2008 fällt Robert Burrell, dem Chefgeologen der Diamantmine „Namdeb“ bei der Arbeit im Sperrgebiet ein seltsamer halbrunder Stein auf. Dann noch einer. Neugierig nimmt er sie in die Hand. Nein, das ist Metall! Und es trägt eine Markierung. Es sind – wie sich bald herausstellt – so genannte Halbgossenkugeln aus Kupfer, punziert mit dem Dreizack-Signet der Fugger aus Augsburg.

Als Burrell an diesem Morgen auch noch „einige Röhren aus Kupfer oder Bronze“ findet, lässt er den Betrieb in Minenabschnitt 1 stoppen und das Areal absichern. Tags darauf schickt er eine E-Mail mit Fotos an Dieter Noli, den Minenarchäologen von „Namdeb“. Und der erkennt es sofort: Hinterladerkanonen, Berco genannt, aus der Zeit um 1535. In den nächsten Tagen konnten sich Noli und die plötzlich zu Schatzgräbern gewordenen „Namdeb“-Kumpel kaum noch einkriegen. Fast 20 Tonnen Kupfer, dazu Kanonen und Schwerter, Elfenbein und Blei, Holzteile und Seilreste, Astrolabien, Musketen, Küchenpfannen – insgesamt mehrere tausend Objekte buddelten sie nach und nach aus dem Sand. Und Gold: sage und schreibe 2159 schöne, schwere Münzen! Zumeist spanische Excelentes mit den Konterfeis des Königspaars Ferdinand und Isabella, dazu venezianische, maurische, französische Prägungen und vor allem herrliche Portuguez-Münzen mit dem Wappen von König João III.

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