Der Supervulkan von Akrotiri

Autor: Hans-Joachim Löwer  —  Quelle: 7reasons  —  Bilder: Salvov/Getty Images

Sie wussten, dass sie einer großen Macht gegenüberstanden. Unsichtbar, unfassbar, unangreifbar – so herrschte sie in den Höhen der Lüfte wie auch in den Tiefen des Meeres. Von einer mysteriösen Kraft entfesselt, jagten oft starke Nordwinde über ihre Insel.

Der Boden unter den Füßen der Bewohner von Es begann mit einem dumpfen Grollen und Thera erzitterte häufig, als kündige ein unterirdisches Monster sein Kommen an. 
Die Menschen auf Thera wussten nicht, welche Vernichtungskraft diese Macht haben würde. Doch dann, um 1600 v. Chr., beschädigte ein Erdbeben viele ihrer Häuser schwer. Die Bewohner der Hafenstadt Akrotiri schafften es rechtzeitig ins Freie. Sie lebten eine Zeitlang unter freiem Himmel, denn das Leben würde ja weitergehen. Dann räumten sie den Schutt von den Straßen und bargen intakte Steine, um sie bald für Neubauten zu verwenden.
Aber das Beben war nur ein Vorspiel für das, was ein paar Wochen später passierte. 150 bis 170 Kilometer unterhalb der Ägäisinsel schiebt sich die Afrikanische Platte unter die Eurasische Platte. Dadurch hatte sich in der Tiefe so viel Magma gebildet, dass der Druck zu groß wurde und ein wahrer Höllenschlund aufriss. Dieser apokalyptische Tag X übertraf alles, was die Menschen im Mittelmeer je an Urgewalten erlebt haben.

Es begann mit einem dumpfen Grollen und einer grauschwarzen Wolke, die aus der Caldera stieg: Diesen tiefen Kessel hatte ein Vulkanausbruch rund 20.000 Jahre zuvor in den Westteil der bis dahin kreisrunden Insel gerissen. Asche und Bimsstein regnete den Menschen in Akrotiri auf die Köpfe. Wer konnte, raffte hastig ein paar Habseligkeiten zusammen, um sie auf die Flucht mitzunehmen.

Dann gab es einen ohrenbetäubenden Knall. Eine Säule von Asche und Vulkanschutt schoss in den Himmel, vermutlich mehr als 30 Kilometer hoch. Heiße pyroklastische Ströme fegten über die Insel. Die Magmakammer leerte sich rasend schnell. Dadurch brach das Dach des Vulkans ein, und der Kessel wurde bis in eine Tiefe von 400 Metern vertieft.

Es war der Ausbruch eines Supervulkans.

NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND präsentiert in Zusammenarbeit mit 7reasons eine virtuelle Tour durch Akrotiri. Die Illustrationen beruhen auf allgemein publiziertem Material und geben im Rahmen künstlerischer Freiheit einen Einblick in das Leben in Akrotiri vor dreieinhalb Jahrtausenden. Zum Start klicken Sie einfach auf die Grafik:


Eine virtuelle Tour durch Akrotiri

Mehr zu den Themen Archäologie sowie Vulkane finden Sie hier. Lesen Sie auf der nächsten Seiten, wie die Archäologen heute auf Santorin arbeiten.

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(NG, Heft 6 / 2014, Seite(n) 34 bis 63)

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