Die Macht des Mondes

Autor: Tanja Krämer  —  Bilder: Stocktrek Images/Getty Images

Der Weg ins Herz der deutschen Mondforschung führt über einsame Landstraßen und durch dichte Wälder.

Hier, im Nirgendwo zwischen Göttingen und Hannover, liegt Katlenburg-Lindau, ein Ort mit etwa 7200 Einwohnern – und Sitz des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung. Der flache Siebziger-Jahre-Bau mit den orangefarbenen Fassaden duckt sich zwischen Wiesen und Feldern, ein architektonischer Fremdkörper mitten in beschaulicher Landschaft.

Einige der besten Weltraumforscher Deutschlands arbeiten hier. Zusammen mit amerikanischen, europäischen und russischen Wissenschaftlern koordinieren sie Missionen wie „Galileo“, bauen Raumsonden und entwickeln in hauseigenen Werkstätten winzige, superleichte Messgeräte in hitzebeständiger Verpackung, die Daten aus dem Weltall zur Erde schicken. Immer wieder beschäftigen sie sich auch mit dem nächsten aller Himmelskörper: unserem Mond.

Seit je hat der Mensch eine ganz besondere Beziehung zu dem Erdtrabanten. In vielen Kulturen wurde er als Gott oder Göttin verehrt, andere feiern ihn noch heute mit Festen: Chinesen, Südkoreaner und Japaner etwa treffen sich jedes Jahr am 15. Tag des achten Mond-Monats im Kreis der Familie, essen Reiskuchen und bewundern die bleiche Kugel am Himmel. Der Mond zieht auch in Deutschland und Europa viele Menschen in seinen Bann. Manche glauben, dass bei Vollmond mehr Kinder geboren werden. Andere sind überzeugt, es gebe dann mehr Unfälle. Wieder andere klagen, bei Vollmond nicht schlafen zu können.

Eine Umfrage aus dem Jahr 1999 ergab: Mehr als die Hälfte der Deutschen glauben, ihre Stimmungslage sei von den Kräften dieses Himmelskörpers abhängig. Immerhin zehn Prozent denken, der Mond beeinflusse ihre Gesundheit. Manche gehen noch weiter – und richten mithilfe spezieller Mondkalender ihren Alltag nach den Rhythmen des Mondes aus.

Auch Ulrich Christensen schaut nachts gern zum Mond. Seit seiner Kindheit, als er Science-Fiction-Romane verschlang, ist der Mann mit dem struppigen Bart und der altmodischen Metallbrille vom Weltraum fasziniert. Heute ist er Direktor des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung – und Experte in Sachen Mondforschung. Von seinem Büro aus hat er eine phantastische Aussicht über die einsamen Felder, es ist ein idealer Ort für abendliche Blicke zum Himmel. «Der Mond ist ein faszinierender Himmelskörper – für mich persönlich, aber auch wissenschaftlich», sagt Christensen.

Seit am 21. Juli 1969 nach dreitägiger Reise mit der Rakete „Apollo 11“ der erste Mensch den Mond betrat, ist das Gestirn auf alle erdenklichen Arten untersucht und vermessen worden. 382 Kilo Mondgestein haben amerikanische Astronauten in mehreren Missionen zur Erde gebracht. Dutzende Sonden schickten Bilder, Infrarot-Messungen und Daten aus Massenspektrometern zur Erde – für die Labors von Nasa, European Space Agency (Esa) und das Max- Planck-Institut in Katlenburg-Lindau. Was die Forscher entdeckten, wirft nicht nur ein neues Licht auf den Mond selbst. Es zeigt auch, wie groß sein Einfluss auf die Erde war – und heute noch ist. «Unter den erdähnlichen Planeten ist unser Erde-Mond-System etwas ganz Besonderes», sagt Christensen. «Kein anderer Planet hat einen im Vergleich zum Mutterkörper so großen Begleiter. Ohne ihren Trabanten wäre unsere Erde nicht das, was sie ist.»

Video: Mit Google Moon können Sie den Mond selbst entdecken, hier bekommen Sie eine erste Einführung


Besuchen Sie auch unsere Themenseite zum Mond und testen Sie hier Ihr Wissen über die Mondlandung.

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(NG, Heft 7 / 2013, Seite(n) 38 bis 51)
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