Zur Zeit der Tang-Dynastie, so heißt es, wurde erstmals Tee nach Tibet gebracht, als Prinzessin Wen Cheng im Jahr 641 n. Chr. den tibetischen König Songtsen Gampo heiratete. Das Königshaus und auch die Nomaden gewöhnten sich aus gutem Grund an das Getränk. Die heiße Flüssigkeit war beliebt in dem kalten Klima, denn sonst gab es nur Schmelzwasser, Yak- oder Ziegenmilch, Gerstenwasser oder chang, das Gerstenbier. Eine Tasse Yakbuttertee mit seinem salzigen und leicht öligen Geschmack war wie eine kleine Mahlzeit für die Hirten, die sich am Lagerfeuer aus getrocknetem Yakdung wärmten.
Der Tee, der nach Tibet kam, war die primitivste Form des Getränks. Tee wird von der Camellia sinensis gewonnen, einem immergrünen subtropischen Strauch. Während man für grünen Tee unfermentierte Knospen und Blätter verwendet, werden Schwarzteeziegel bis heute aus großen harten Blättern, Zweigen und Stielen hergestellt. Es ist der bitterste Tee. Er wird mehrmals gedämpft, ein erstes Mal getrocknet, mit klebrigem Reiswasser gemischt, in Formen gepresst und wieder getrocknet. Das Gewicht dieser Teeziegel variiert von einem halben bis drei Kilo. Sie werden noch heute in Tibet verkauft.
Im 11. Jahrhundert war Tee zur Währung des Reichs geworden. Die Song-Dynastie kaufte damit robuste Rösser aus Tibet, mit denen sie gegen wilde Nomadenstämme aus dem Norden, die Vorfahren der Horden des Dschingis Khan, in die Schlacht zogen. Teeziegel wurden zur wichtigsten Handelsware zwischen China und Tibet. Für 60 Kilo Tee bekamen die Chinesen ein Pferd. Das war die Tauschrate, die von der 1074 gegründeten „Vertretung für Tee und Pferde in Sichuan“ festgelegt wurde. Träger lieferten den Tee von den Plantagen rund um Ya’an in das 2550 Meter hoch gelegene Kangding. Dort wurde er in wasserdichte Taschen aus Yakleder eingenäht und für die dreimonatige Reise nach Lhasa auf Maultier- und Yakkarawanen verladen.
Im 13. Jahrhundert tauschte China Tee im Gegenwert von jährlich rund 25000 Pferden ein. Doch auch die gesamte Kavallerie des Königs konnte die Song-Dynastie nicht mehr retten. Sie wurde 1279 von Dschingis Khans Enkel Kublai Khan gestürzt. Der Tausch von Tee gegen Pferde aber ging weiter, von der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) bis zur Mitte der Qing-Dynastie (1644 bis 1911). Als Chinas Bedarf an Pferden im 18. Jahrhundert abflaute, wurde der Tee gegen andere Waren getauscht: Wolle, Gold und traditionelle Heilmittel, die es nur in Tibet gab.
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