Drohnen: Fliegende Augen

Autor: John Horgan  —  Bilder: Joe McNally

Das FBI hat nun erstmals zugegeben, auch auf eigenem Territorium Drohnen einzusetzen - zum Beispiel bei einer Geiselnahme in Alabama. Über die rasante technische Entwicklung hat NATIONAL GEOGRAPHIC bereits im März berichtet, lesen Sie hier die ganze Reportage.

Drohnen sehen alles. Sie können Leben retten – oder zerstören. Die Angst vor der totalen Überwachung ist groß. Doch die Erprobung unbemannter Fluggeräte schreitet unaufhaltsam voran.

Vizesheriff Derek Johnson steht am Rande eines abgeernteten Luzernefelds bei Grand Junction in Colorado und späht einem Pünktchen nach, das langsam über den gleißenden Dunsthimmel fliegt. Was den stämmigen Mann mit dem Stoppelhaarschnitt in seinen Bann zieht, ist weder ein Geier noch eine Krähe, sondern ein „Falcon“ („Falke“): das neueste Modell eines unbemannten Fluggeräts. Die Dienststelle des Sheriffs in Mesa County prüft, ob der „Falcon“ helfen könnte, Wanderer zu orten, die sich verlaufen haben, oder Kriminelle auf der Flucht. Über Johnsons Laptop flimmern Bilder einer nahe gelegenen Landstraße, aufgenommen von der Drohne.

Mit ernstem Blick beobachtet Chris Miser, der Designer des „Falcon“, wie Johnson dem Flugroboter hinterherschaut. Miser war Hauptmann der US-Luftwaffe und hatte dort bis 2007 mit Drohnen zu tun. Dann gründete er ein eigenes Unternehmen in Aurora, Colorado. Der „Falcon“ hat eine Spannweite von zweieinhalb Metern, wiegt aber nur vier Kilo. Er wird von einem Elektromotor angetrieben und hat zwei schwenkbare Kameras an Bord – eine Farbkamera und eine Infrarotkamera –, außerdem einen GPS-gesteuerten Autopiloten.

Ein von US-Präsident Barack Obama im Februar 2012 unterzeichnetes Gesetz weist die amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA an, vom 30. September 2015 an den Luftraum der Vereinigten Staaten für Drohnen weitgehend zu öffnen. Derzeit ist Mesa County, das weitab von anderen Flugrouten liegt, eine der wenigen Ge- genden, in denen der Start unbemannter Fluggeräte erlaubt sind. Das Büro des Sheriffs hat auch eine Helikopter-Drohne, die einen Meter groß ist und nur 20 Minuten in der Luft bleiben kann. Der „Falcon“ kann eine Stunde lang fliegen, und er ist leicht zu bedienen. Johnson tippt die gewünschte Flughöhe und die Geschwindigkeit in den Laptop ein und klickt Ziele auf einer digitalen Landkarte an. Den Rest erledigt der Autopilot. Um den „Falcon“ zu starten, wirft er ihn einfach hoch. Ein Beschleunigungsmesser sorgt dafür, dass sich der Propeller erst dreht, wenn das Flugzeug in der Luft ist.

In Deutschland ist die zivile Nutzung unbemannter Fluggeräte sogar noch weiter fortgeschritten. Als Überwacher von großen Industrieanlagen und Windkrafträdern haben sich die Roboter ebenso etabliert wie als Helfer bei Film- und Fotoaufnahmen. Polizei, Feuerwehr und Bergwacht nutzen sie bei der Suche nach Vermissten oder Verschütteten.

Video: Drohnen über Deutschland


Seite 1 von 6

(NG, Heft 3 / 2013, Seite(n) 78 bis 91)

Eine Drohne, die jüngst über deutschen Wäldern flog, suchte nicht nach abgetauchten Terroristen, sondern nach ökologischen Informationen. Stephan Getzin, ein Forstwissenschaftler an der Universität Göttingen, sammelt auf diese Weise ­Daten – groß­räumig und kostengünstig. Die Luftbilder analysiert er mit statistischen Methoden. mehr...

  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus