Vor ihm im Sand lagen Skelette. Als wollten sie ihn vor den Gefahren warnen, die jedem drohten, der im Jahr 629 auf der Seidenstraße reiste, der damals weltweit bedeutendsten Route für Waren, Eroberer und Ideen. Der Mönch Xuanzang hatte die Orientierung verloren – und fast seine letzte Kraft. Westlich des chinesischen Reichs peitschten heftige Sandstürme durch die Wüste. Die aufsteigende Hitze gaukelte ihm Trugbilder vor. In seinem Wahn glaubte er, auf fernen Dünen bedrohliche Streitmächte zu erkennen.
Noch größeren Schrecken verbreiteten die mit Schwertern bewaffneten Banditen, die den Karawanen auflauerten, denn diese waren reich beladen: mit Seide und Tee und Keramik auf ihrem Weg nach Westen an die Höfe in Persien und am Mittelmeer. Oder mit Gold, Edelsteinen und Pferden auf dem Weg nach Osten, nach Chang’an (dem heutigen Xi’an), in die Hauptstadt der Tang-Dynastie, damals eine der größten Städte auf Erden. Wie Xuanzang in seinem berühmten Reisebericht schrieb, hatte auch er etwas Wertvolles dabei, das ihn auf seinem Weg vorantrieb: den Buddhismus.
Diese Religion hatte sich über die Seidenstraße bis nach China verbreitet. Ähnlich wie nach ihr der Zoroastrismus und der Manichäismus − beides Lehren persischen Ursprungs – sowie das Christentum und später der Islam. Doch keine Glaubensrichtung gewann einen so starken Einfluss in China wie der Buddhismus, der dort bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. nachweisbar ist, als beispielsweise um 68 n. Chr. das „Kloster der weißen Pferde“ – Baima Si – in Luo-yang gegründet wurde. Die Texte, die Xuanzang aus Indien in die Heimat mitbrachte, vertieften das Verständnis für viele Fragen des Buddhismus und sorgten für seine weitere Verbreitung.
Xuanzang war 16 Jahre lang auf Reisen. Gegen Ende dieser Zeit rastete der Mönch in Dunhuang. In dieser Oase an der Seidenstraße kreuzten sich die Wege vieler Menschen und Kulturen. Deshalb konnten dort die Mogao-Grotten entstehen, eines der großen Wunderwerke der buddhistischen Welt.
Entdecken Sie die unterschiedlichen Perioden der Dynastie sowie die verschiedenen Gemälde der Grotten auf der Zeitleiste in unserer interaktiven Karte!
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