Am Pier der Hafenstadt Toco steht Shazam Mohammed. Wütend zeigt er auf einen Haufen grüner Fischernetze. „Nur noch Fetzen“, sagt er. Er musste sie zerschneiden, um die Schildkröten daraus zu entfernen, die sich darin verfangen hatten. „Wenn wir 200 Trinidad-Dollar (etwa 25 Euro) verdienen, müssen wir 500 für die Reparatur der Netze ausgeben.“ Auch den Tieren, das kann man mit Sicherheit annehmen, ist es dabei nicht gut ergangen. „Verdammte Lederschildkröten. Ich verschwende meine Zeit nicht damit, sie zu retten. Wenn ich eine fange, töte ich sie.“
Für die Zukunft setzen Scott Eckert von der Duke-Universität in North Carolina und Mitarbeiter der nordamerikanischen Fischereibehörde NOAA darauf, die Einheimischen zu unterstützen, damit Menschen und Tiere nebeneinander bestehen können. In Zusammenarbeit mit ihnen haben sie neuartige Netze erprobt, in denen weniger Schildkröten hängen bleiben. Gleichzeitig suchen immer mehr Fischer nach Möglichkeiten, um während der Schildkrötensaison ihren Lebensunterhalt mit anderen Jobs zu bestreiten. Dennoch kommen nach Schätzungen von Eckert und weiteren Experten jedes Jahr mindestens tausend Lederschildkröten vor Trinidad ums Leben, weil sie in den Netzen ertrinken oder von verzweifelten Fischern mit Gewalt herausgeschnitten werden.
Trotz alledem steigt die Zahl der Lederschildkröten weiter an, und das nicht nur auf Trinidad, sondern in der gesamten Karibik: auf der Jungferninsel Saint Croix, an der Nordostküste Südamerikas und sogar in Florida. Dafür sei es sicher hilfreich, sagt Eckert, dass die Schildkrötenschutzorganisation Nature Seekers und andere Institutionen dem Gemetzel an den Gelegestränden Einhalt geboten haben. „Aber ich zögere zu behaupten, dass zwischen dem Naturschutz und der Erholung der Schildkrötenpopulation ein unmittelbarer Zusammenhang besteht“, fügt er hinzu.
Denn so schnell, meint Eckert, könne sich der größte Erfolg der Strandbewachung noch gar nicht auszahlen. Zwar werden nun viel weniger Gelege geplündert. Vermutlich erreichen Lederschildkröten ihre Geschlechtsreife erst mit etwa 30 Jahren, und das würde bedeuten, dass die frisch geschlüpften Jungtiere, die in den vergangenen Jahren gerettet wurden, noch nicht zu dem Andrang an den Stränden beitragen. Offenbar begünstigt eine Entwicklung ganz woanders, viele tausend Kilometer von den warmen Küsten Trinidads entfernt, dass die Population der atlantischen Lederschildkröten langsam wieder wächst – in Kanada.
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