Fraser Island: Vom Winde angeweht

Autor: Roff Smith  —  Bilder: Peter Essick

Es war ihm nicht genug, die Welt einfach nur zu er­schaffen. Beeral, ein Gott der Aborigines, wollte auch Sorge dafür tragen, dass sie schön werde. So wandte er sich an zwei Vertraute, Yindingie und K’gari, dessen Helferin aus dem Reich der Geister. Sie sollten das Rohmaterial der Schöpfung in ein Paradies verwandeln – und erfüllten ihre Aufgabe so perfekt, dass K’gari auf ewig an diesem schönen Ort bleiben wollte.

In einer herrlichen Bucht legte sie sich in das warme Wasser und fiel in einen tiefen Schlaf. Während sie träumte, verwandelte Yindingie ihren Körper in ein langes, schmales Eiland aus kristallenem Sand – die größte Insel dieser Art auf der ganzen Welt. Er kleidete sie in prachtvolle Regenwälder, bemalte ihre sandige Haut mit den Farben des Regenbogens, und als Augen schenkte er ihr eine Kette diamantener Seen, aus denen sie in den Himmel blicken konnte. Die Luft füllte er mit farbenprächtigen Vögeln, und auf dass K’gari niemals einsam sei, siedelte er einen Aborigine-Stamm auf der Insel an: die Butchulla. Dieses Volk gab die Schöpfungsgeschichte der Insel in seinen Erzählungen weiter. Und in der Sprache der Menschen erhielt das Wort K’gari die Bedeutung „Paradies“.

Heute trägt dieser Garten Eden den Namen Fraser Island. Neuankömmlinge hatten die Insel nach einem schottischen Seefahrer umbenannt, der hier im Jahr 1836 mit seiner Frau bei den Aborigines gestrandet war. Doch ganz gleich, wie man die Insel bezeichnet oder betrachtet, sie ist und bleibt einzigartig. Sie beflügelt die Träume eines jeden, der sich ihr nähert.

Die legendären Landschaften von Fraser Island haben seit je Australiens Schriftsteller und Maler inspiriert. In den siebziger Jahren entstand zur Rettung der empfindlichen Öko­systeme dieser Insel eine der ersten australischen Umweltkampagnen. Der Bewegung gelang es, den Abbau der mineralienreichen Sande und schließlich auch den industriellen Holzeinschlag auf der Insel zu stoppen.

Trotz der vielen Gemälde, Gedichte und Er­zählungen, zu denen Fraser Island die Künstler anregte, lässt sich dieser Ort nicht so leicht einer Kategorie zuordnen. Nachdem man gerade noch durch einen Regenwalddom aus Riesenfarnen gewandert ist, befindet man sich im nächsten Moment schon in einem duftenden Eukalyptus­wald und schaut durch eine Öffnung im Blatt­werk auf ein Meer goldener Dünen oder auf sanft geschwungene Hügel, auf denen sich leuchtende Wildblumen im Sommerwind wie­gen. Die verschiedenen Landschaften wechseln so rasch wie die Bilder eines Kaleidoskops. Doch das wohl größte Wunder ist es, dass hier fast alles auf einfachem Sandboden wächst. Nur durch Pilzgeflechte wird er zusammengehalten. Keine Traumlandschaft könnte aus feineren Fäden gewebt sein.

Reise-Tipps: Entdecken Sie Fraser Island!

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(NG, Heft 01 / 2011, Seite(n) 78)


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