Gutes Gas, schlechtes Gas

Autor: Marianne Lavelle  —  Bilder: Mark Thiessen

Fracking und die Verunreinigung von Grundwasser hängen zusammen. Das wollen nun Forscher der Duke University herausgefunden haben. In Pennsylvania sammelten die Forscher 141 Proben; in dem US-Bundesstaat gibt es zahlreiche Fracking-Anlagen. Ihre Ergebnisse stellten die Wissenschaftler nun in einer Studie vor, im Wasser konnten sie demnach Gase wie Methan, Ethan und Propan nachweisen. Lesen Sie hier die NG-Reportage zum Thema Fracking.

Mit Erdgas kann man Häuser heizen. Gerät es aber in die Atmosphäre - beim "Fracking" oder weil die Arktis taut - erwärmt es die ganze Erde.

Letzte Sonnenstrahlen funkeln durch die schneebedeckten Fichten am Ufer des Goldstream Lake bei Fairbanks in Alaska. Katey Walter Anthony steht auf dem zugefrorenen See und starrt auf das dunkle Eis zu ihren Füßen. Viele weiße Blasen sind darin eingeschlossen. Die junge Frau ist Umweltforscherin an der Universität von Alaska in Fairbanks. Sie greift nach einem schweren Eispickel, ein Mitarbeiter hält ein brennendes Streichholz über eine große Blase. Walter Anthony schlägt mit dem Pickel kräftig hinein.

Sofort entströmt dem Loch ein Schwall Gas und entzündet sich mit einem dumpfen Geräusch. Die Forscherin springt zurück: «Ich habe den unangenehmsten Job, denn meistens verbrenne ich mich», sagt sie, aber sie lacht dabei. In der Abenddämmerung fackeln sie und ihr Team eine Blase nach der anderen ab.

Was hier brennt, ist Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas. Walter Anthony zählt und vermisst die Blasen, um abschätzen zu können, wieviel Methan aus dem Goldstream Lake aufsteigt – und aus den Millionen ähnlicher Seen und Tümpel, die mittlerweile nahezu ein Drittel der arktischen Landfläche bedecken. Die Arktis hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel schneller erwärmt als der Rest der Erde. Weil der einst dauerhaft gefrorene Boden, der Permafrost, taut, sind alte Seen größer geworden, neue haben sich gebildet. Aus ihren schlammigen Tiefen steigen überall Methanblasen auf. Die Arbeit der Forscherin Walter Anthonys soll dabei helfen, die austretende Menge genauer festzustellen. Denn Methan brennt nicht nur, es heizt auch die globale Erwärmung viel stärker an als das bekannte Klimagas Kohlendioxid (CO2). Um genau zu sein: bei gleicher Menge 25­mal so stark.

Der Klimawandel hat also die Voraussetzung dafür geschaffen, dass mehr Methan in die Atmosphäre gelangt – und das Methan wieder­ um verstärkt den Klimawandel. Das gehört zur Schattenseite der Geschichte vom umweltfreundlichen Energieträger Erdgas.

In den USA sind im vergangenen Jahr die CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen – Öl, Kohle, Erdgas – gefallen, während weltweit ein neuer Rekord aufgestellt wurde. Ein Grund ist, dass in Kraftwerken der Vereinigten Staaten statt Kohle mehr Gas verbrannt wurde. Das ist billiger und enthält weniger CO2. Und Erdgas gibt es seit einiger Zeit ziemlich viel. Dank einer neuen Fördermethode, Hydro-Fracking genannt – oder kurz Fracking.

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(NG, Heft 3 / 2013)

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