Die letzte Zählung stammt vom Februar 2010. Damals umfasste die ganze zwischen Kanada und Texas pendelnde Population 263 Tiere. Der Bestand scheint stabil, doch die Vögel bleiben extrem gefährdet. Die Bebauung der Küsten dezimiert die Blaukrabben. Stürme und ein steigender Meeresspiegel gefährden die Winterreviere. Entlang der Zugroute gehen Feuchtgebiete verloren. In Kanada schrumpft die Zahl der Rastplätze durch die Ölsandgewinnung und den Bau von Windkraftanlagen. Die Windräder selber stellen zwar keine große Gefahr dar, die Drähte der Überlandleitungen aber schon.
Hoffnung geben die Aufzuchtprogramme. Naturschützer lassen Kraniche in Gefangenschaft ausbrüten und aufziehen. Anschließend wildern sie die Vögel in ihren früheren Lebensräumen aus. Mittlerweile ist der Gesamtbestand – einschließlich der Tiere in Gefangenschaft – auf mehr als 500 angewachsen. Doch fünfmal so viel müssten es sein, ehe die Beschützer der Schreikraniche wirklich beruhigt sein können. Optimisten glauben, dieses Ziel sei erreichbar. „Wenn wir nur den Lebensraum gut genug schützen“, sagt der CWS-Biologe Brian Johns, „werden uns die Kraniche in ein paar Jahrzehnten vielleicht nicht mehr brauchen.“
Im Sommer verbleiben den Vögeln im Nationalpark Wood Buffalo vier Monate, um sich für den Flug nach Texas fit zu fressen. Irgendwann im Oktober wird dann ein Kranichhahn mit schräg gestelltem Kopf in den Himmel blicken und auf den auslösenden Moment warten: das Einsetzen der Thermik. Sobald die Luft zu flirren beginnt, wird er seinen Leib vorbeugen und so seine Absicht kundtun. Seine Gefährtin und das Junge werden in Startstellung gehen. Um dann gemeinsam abzuheben.
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