In der ökologischen Falle

Autor: Erwin Brunner; Jürgen Nakott  —  Bilder: Paul Schirnhofer
Main Picture ökologische Falle

Wolfgang Haber, 84, ist Landschaftsökologe an der TU München-Weihenstephan in Freising. Der seit 15 Jahren emeritierte ­Professor ist nach wie vor in Forschung und Lehre aktiv. Als Vordenker der Ökosystemforschung prägte er den Begriff von der „ökologischen Falle“, und schon seit langem setzt er sich für das Prinzip der Nachhaltigkeit ein. Wolfgang Haber hat bei der Jahreskonferenz des Deutschen Rats für nachhaltige Entwicklung am 23. November in Berlin zur Premiere der Carl-von-Carlowitz-Vorlesungen das Verhältnis von Ökologie und Nachhaltigkeit kritisch beleuchtet. Der Rat wurde 2001 von der Bundesregierung eingerichtet. In diesem Jahr steht die internationale Konferenz unter dem Motto „Nachhaltigkeit in einer sich ändernden Welt – Weichenstellung für Deutschland“. Der Namensgeber der Vorlesung, Hans Carl von Carlowitz (1645 bis 1714), gilt mit seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ (1713) als Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs.

Herr Professor Haber, Sie haben die „nachhaltige Entwicklung“ der Landschaft einmal als „Vision“ bezeichnet. Meinen Sie damit, dass Nachhaltigkeit und Natur prinzipiell unvereinbar sind?
Durchaus nicht. Vision heißt nicht Wirklichkeitsferne. Nachhaltigkeit ist das Ziel, das wir für die Zukunft anstreben sollten – und die Natur selbst praktiziert sie ja.

Aber viele Menschen setzen doch den Begriff Nachhaltigkeit mit Umweltschutz, mit Bewahrung gleich, nicht mit Entwicklung.
Das stimmt zwar, aber Nachhaltigkeit bedeutet nicht: Bewahrung der Natur wie sie ist. Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung schließt Ökologie, Ökonomie und soziale Belange ein. Dazu gehört ganz wesentlich ein Umgang mit Natur und Umwelt, der auch künftigen Generationen ein gutes Leben erlaubt. Was ist denn Ökologie? Es ist die Lehre von der Organisation der Natur, vom Haushalten mit den endlichen materiellen Ressourcen unseres Planeten. Das Leben auf ihm hat sie in ständigem Gebrauch und Wiedergebrauch dauerhaft genutzt und sich dabei vielgestaltig entfaltet – das beweist Nachhaltigkeit. Doch nun verbraucht erstmals eine Art, der Mensch, mehr, als die Erde auf Dauer geben kann.

Die Ökologie kennt doch ähnliche Beispiele: Eine Art, ob Lemminge oder Borkenkäfer, verbraucht alles, was sie zum Leben benötigt; dann bricht die Population zusammen, nur wenige überleben. Die fangen daraufhin von vorn an. Der Systemökologe Michael Braungart (siehe National Geographic, Sonderausgabe „Energie – Wege in die Zukunft“) befürchtet, dass sich die Menschheit ­innerhalb der «nächsten 60 Jahre kannibalisieren» wird, wenn sie ihr Verhalten nicht ändert. Von knapp sieben Milliarden Menschen könnten eine Milliarde übrig bleiben.
Ich verwende solche Szenarien ungern, weil sie mehr Angst machen als zu Vernunft führen. Dennoch: Es besteht die reale Gefahr, dass noch in diesem Jahrhundert Katastrophen eintreten, die die Anzahl der Menschen deutlich verringern. Ich denke an Hunger oder Seuchen, ausgelöst durch einen Mangel an Lebensmitteln oder Wasser. Oder an die Folgen des Klimawandels. Wesentliche Ursache ist unser steigendes Anspruchsdenken. Ich war in den letzten Jahren mehrmals in China, als Berater der Akademie der Wissenschaften. Dort kann man derzeit unmittelbar erleben, wie die Ansprüche der Menschen nach dem Vorbild des westlichen Standards steigen. Doch es können nicht neun Milliarden Menschen, wie wir sie etwa um das Jahr 2050 erwarten, auf diesem Niveau leben und konsumieren. Das gibt unser Planet nicht her.

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