Machen wir uns nichts vor: die Erde gehört nicht uns, sondern ihnen – den Insekten . Wir wissen ja nicht einmal, wieviele Arten es gibt. Unter jedem Stück Holz sehen wir etwas, das wir nie zuvor gesehen haben. Aus der Nähe betrachtet, erscheinen uns manche Insekten wie Aliens. aber für einen Beobachter im All wären wir Menschen die Minderheit mit der ausgefalleneren Lebensweise.
Unzählige Arten von Wirbeltieren entwickelten sich – und starben wieder aus. Derweil haben die Insekten jedes Stück Boden besiedelt, jeden Sumpf und jeden Baum. In unseren Biologiebüchern sprechen wir vom Zeitalter der Dinosaurier oder der Säugetiere . Doch seit die ersten Tiere aus dem Meer an Land gingen, herrscht auf der Erde das Zeitalter der Insekten.
Zum Teil wissen wir, was sie so erfolgreich macht. Vögel , Reptilien und Säugetiere kümmern sich um ihren Nachwuchs. Sie versorgen ihre Jungen mit Nahrung und kämpfen für ihren Schutz – alles Verhaltensweisen, die man bei den Insekten kaum findet. Die verlassen sich auf zweierlei: auf besonders widerstandsfähige Eier und auf einen raffinierten Legeapparat, der die Eier im Boden platziert, im Inneren von Holz, unter Blättern, in Pflanzenstängeln unter Wasser, manchmal sogar in anderen Tieren. Wenn es etwas gibt, das man als Ursache für die Vielfalt und den Erfolg der Insekten benennen kann, dann ist es die Tatsache, dass sie ihren Nachwuchs so in die Welt setzen, dass eine große Anzahl überlebt. Und das liegt an den Eiern.
Vor mehr als 300 Millionen Jahren, zu Beginn ihrer Entwicklung, waren Insekteneier noch glatt und rund. Heute sind sie so vielgestaltig wie die Orte, an denen Insekten leben. Manche Eier sehen aus wie Dreck. Andere ähneln Pflanzenteilen; die meisten Menschen könnten sie in der Hand haben, ohne sie zu erkennen. Einige Eier atmen durch Röhren, die sie aus dem Wasser in die Luft strecken. Andere hängen an seidigen Stielen. Wieder andere treiben im Wind oder kleben auf dem Rücken von Fliegen. Sie können orange, gelb, türkis, dunkelgrau oder elfenbeinfarben sein, Stacheln tragen, Flecken, Spiralen oder Streifen. Es liegt nahe zu vermuten, dass hier nicht nur die Gesetze der Biologie im Spiel waren. Ihr Aussehen lässt an einen Künstler denken, der sich auf winzige Formen spezialisiert hat. Und doch sind diese Meisterwerke das Ergebnis der Evolution . In jedem Ei wächst ein Tier heran und wartet auf den richtigen Zeitpunkt, sich aus seiner Hülle zu befreien.
Buch-Tipp: Enzyklopädie der Tiere
Von der Evolutionsgeschichte unserer Fauna bis zu den kuriosesten Spielarten der Natur: In unserer Enzyklopädie der Tiere werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich aufbereitet. mehr...
DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion
blog comments powered by Disqus