Die meisten Menschen könnten den Zeitpunkt, an dem ihr Leben seine Bestimmung fand, wohl kaum benennen. Jane Goodall kann es. Am Morgen des 14. Juli 1960 betrat sie am Ostufer des Tanganjikasees den Kieselstrand. Es war der erste Besuch der jungen Engländerin im Naturreservat Gombe Stream, wie es damals noch hieß. In einem Schutzgebiet, das 1943 von der britischen Kolonialverwaltung eingerichtet worden war. Ihre Ausrüstung: ein Zelt, ein paar Blechteller, eine Tasse ohne Henkel, ein billiges Fernglas. Ihr Begleiter: ein afrikanischer Koch namens Dominic.
Auf Drängen von Verwandten, die um Janes Sicherheit in der Wildnis fürchteten, hatte sie eine enge Vertraute mitgenommen: ihre Mutter. Jane war gekommen, um Schimpansen zu beobachten. Oder zumindest: um es zu versuchen. Außenstehende rechneten nicht damit, dass sie es schaffen würde. Der Paläontologe Louis Leakey aber, der sie in Nairobi für diese Aufgabe angeworben hatte, glaubte daran, dass sie Erfolg haben könnte.
Einige Einheimische, die am Strand neben ihren Fischernetzen kampierten, begrüßten die kleine Reisegesellschaft und halfen beim Transport der Ausrüstung. Jane und ihre Mutter verbrachten den Nachmittag damit, ein Lager einzurichten. Gegen 17 Uhr berichtete jemand, er hätte einen Schimpansen gesehen. „Wir sind sofort losgezogen“, schrieb Jane am Abend in ihr Tagebuch, „und da war der Schimpanse.“ Sie hatte nur einen undeutlichen Blick aus der Ferne auf ihn erhascht. „Er lief davon, als wir auf gleicher Höhe mit ihm waren, und wir sahen ihn nicht wieder, obwohl wir den angrenzenden Hang hinaufstiegen.“ Aber in der Nähe hatte sie in einem Baum eine Plattform aus Zweigen entdeckt und dokumentiert: ein Schimpansennest.
Diese Notiz markiert den Anfang einer der bedeutendsten Studien der modernen Feldforschung: die seit 50 Jahren andauernde Beobachtung der Schimpansen von Gombe. Diese Wissenschaftsgeschichte – mit ihren Höhen und Tiefen – liest sich wie eine abenteuerliche Legende.
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