Johannesburg: Stadt der Hoffnung, Stadt der Angst

Artikel vom 01.04.2004  —  Autor: Peter Godwin  —  Bilder: Tomasz Tomaszewski
Felicia Mabuza-Suttle

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Bei einer Tasse Tee mit einer Kollegin in ihrem Haus in Johannesburg überfliegt die Talkmasterin Felicia Mabuza-Suttle (rechts) einen Artikel über ihre Karriere.

Es mag vergebliche Mühe sein, ausgerechnet in Soweto nach einer Cappuccino-Bar zu suchen. Doch mein Begleiter Jerry Marobyane ist fest davon überzeugt, dass es in der weitläufigen schwarzen Township von Johannesburg eine geben muss. Wir folgen ausgefahrenen Straßen, vorbei an rauchenden Abfallhaufen und Hunderten von behelfsmäßig zusammengezimmerten Hütten. Eine Bar, in der das schäumende Wahrzeichen besserer Kreise von Johannesburg serviert werden könnte, ist allerdings nicht in Sicht. Da stößt Marobyane plötzlich einen Triumphschrei aus. Aber irgendwas stimmt nicht - Soweto Cappuccino ist durch 21st Century Funerals ersetzt worden. Drinnen erzählt uns die Dame am Empfang, dass das Cappuccino-Experiment fehlgeschlagen sei. "Wegen Aids blüht das Geschäft mit dem Tod", sagt sie. Auf dem nahe gelegenen großen Friedhof von Johannesburg finden jetzt wöchentlich 210 Beerdigungen statt.

Das Café war im April vor zehn Jahren eröffnet worden, als sich die weiße Vorherrschaft in Südafrika ihrem Ende zuneigte. Es war jedoch nicht für die Einwohner Sowetos bestimmt, sondern für die Johannesburg-Touristen, die nun scharenweise kurze Abstecher in die Township machten, um Nelson Mandelas altes Wohnhaus zu sehen oder den Ort, wo schwarze Schulkinder von der Polizei erschossen worden waren, weil sie gegen Unterricht auf Afrikaans protestiert hatten.

Wachmann in Johannesburg

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Mit einer martialisch aussehenden Waffe bewacht dieser Mann ein Geschäft in Johannesburg.

Soweto war das Symbol für den Kampf gegen die Apartheid geworden. Unter Mandelas mitreißender Führung begann für Südafrika eine neue Zeit. Das Land hatte es geschafft, den Rassenkrieg abzuwenden.

Betört von dieser Leistung, nannte es sich nun Regenbogennation - eine Anerkennung des neuen Geistes der Toleranz und Integration, der Bigotterie und Furcht ersetzen sollte, wie die meisten Südafrikaner hofften. Die Cappuccino-Bar war Ausdruck besonders hoher Erwartungen für Jo'burg (so die gängige Kurzform für Johannesburg), die vielseitigste Stadt des Landes. Man hoffte, sie würde, befreit von den Einschränkungen der politischen Isolation, schnell dem Titel "Afrikanische Stadt der Weltklasse" gerecht werden. Südafrika sollte zum Vorreiter der afrikanischen Erneuerung werden, für eine Art Neuanfang nach Kolonialzeit, Kaltem Krieg und Apartheid, der einen mit Asien vergleichbaren, tigerhaften Wirtschaftsaufschwung ankündigte - mit Johannesburg als Sprungbrett.

Heute, ein Jahrzehnt nach der Geburt der Regenbogennation, haben Johannesburg und seine Satellitenstädte mehr als acht Millionen Einwohner. Zusammen erbringen sie neun Prozent der Wirtschaftsleistung des gesamten Kontinents und genießen einen Lebensstandard, der weit über dem afrikanischen Durchschnitt liegt.

Soweto

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Auf einer Straße in Soweto bietet eine Frau aus Simbabwe Kochlöffel zum Verkauf an.

Und dennoch ist die Kriminalitätsrate in Johannesburg eine der höchsten in ganz Afrika, wenngleich sie jetzt abzunehmen scheint.


(NG, Heft 4 / 2004)
Extras

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