Komm, süßer Schlaf

Autor: D. T. Max  —  Bilder: Maggie Steber

Die 29-jährige Cheryl Dinges aus St. Louis ist Sergeant der US-Armee. Sie bildet Soldaten im Nahkampf aus. Dinges hat sich auf die sogenannte brasilianische Variante des Jiu-Jitsu spezialisiert und ist nach eigenen Angaben eine der wenigen in der Armee mit dem Zertifikat der Stufe zwei. Dazu gehört ein hartes Training im Kampf gegen zwei Angreifer, wobei man, wie sie erklärt, immer hofft, „derjenige zu sein, der überlebt“.

In absehbarer Zukunft könnte Dinges ein noch härterer Kampf bevorstehen. Sie stammt aus einer Familie, in der das Gen für die „tödliche familiäre Schlaflosigkeit“ vorkommt (fatal familial insomnia, FFI). Menschen mit dieser Krankheit verlieren die Fähigkeit zu schlafen. Anfangs können sie kein Nickerchen mehr halten, später schlafen sie nachts nicht mehr durch, und am Ende schlafen sie überhaupt nicht mehr. Die Krankheit bricht in der Regel zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr aus und endet nach ungefähr einem Jahr immer mit dem Tod. Dinges hat es abgelehnt, sich auf das Gen testen zu lassen. „Ich fürchtete, dass ich mich im Leben nicht mehr so anstrengen würde, wenn ich wüsste, dass ich es in mir trage“, sagt sie. „Ich würde mich selber aufgeben.“

FFI ist eine entsetzliche Krankheit, und über ihre Entstehung weiß man noch nicht viel. Die Forscher haben unlängst herausgefunden, dass falsch gefaltete Proteine, Prionen genannt, den Thalamus angreifen, eine Struktur tief im Inneren des Gehirns. Und Schädigungen des Thalamus beeinträchtigen den Schlaf. Auf welche Weise, das ist aber nicht bekannt, und man weiß auch nicht, wie man den Prozess stoppen oder seine Symptome lindern könnte. Die Krankheit ist äußerst selten: Weltweit sind nur 40 Familien bekannt, in denen der Defekt vorkommt. Millionen dagegen leiden unter den weniger schwerwiegenden Formen der Schlaflosigkeit. Doch auch die stellen die Mediziner noch vor viele Rätsel.

Spannende Fakten zum Thema Schlaf finden Sie hier.

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(NG, Heft 5 / 2010)


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