Laponia: Das wilde Herz von Schweden

Autor: Don Belt  —  Bilder: Orsolya Haarberg und Erlend Haarberg
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Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Eiswasser, das mir gerade um die nackten Beine fließt, noch Schnee und Eis auf einem felsigen Gipfel in Nordschweden, 160 Kilometer nördlich des Polarkreises. Dann schmolz der Schnee, und das Wasser strömte in den Fluss Rapaälven, der sich durch das 9400 Quadratkilometer große Schutzgebiet Laponia schlängelt. Ein Naturwunder aus Bergen, Seen und felsübersäten Tälern, eine Wildnis, wie sie in Europa in diesem Format kaum noch existiert.

Genau genommen besteht Laponia aus vier Nationalparks (Padjelanta, Stora Sjöfallet, Muddus, Sarek) sowie zwei Naturreservaten – und wurde 1996 zum Unesco-Welterbe erklärt. Heute ist die Region ein gigantisches Schutzgebiet für Tiere – und ein Rückzugsort für zivilisationsmüde Menschen, die eine Art Zeitreise aus der europäischen Gegenwart zurück ins Pleistozän unternehmen wollen. Laponia ist aber nicht nur wegen seiner einzigartigen Natur von Bedeutung: Noch immer sind hier die Samen zu Hause, ein Volk, das diese nördlichen Breiten seit Jahrtausenden durchwandert und eine ganz besondere Kultur entwickelt hat.

Erst vor 9000 Jahren zog sich der Eispanzer, der in der letzten Kaltzeit weite Teile Europas bedeckt hatte, aus Nordschweden zurück – erdgeschichtlich gesehen also vor so kurzer Zeit, dass sich der von seiner Last befreite Felsboden noch immer um etwa einen Zentimeter pro Jahr hebt. „Postglaziale Landhebung“ nennen Geologen dieses Phänomen.

Die Landschaft wurde eindeutig von der Eiszeit geprägt: Moränen, Findlinge und Seen, kesselförmige Täler, Höhenrücken und riesige, scharfkantige Trogschultern aus dunklem Fels. In der vollkommenen Stille der Wildnis vermeint man noch heute, das schleichende Schleifen der Gletscher über die Erde hören zu können. Fast scheint es, als sei das Eis erst vor wenigen Augenblicken geschmolzen und habe die freigelegte Landschaft den formenden Kräften von Regen und Wind überlassen.

Vor etwa 5000 Jahren wurde die Region von nomadischen Jägern besiedelt, die auf der Suche nach Beute in den hohen Norden gewandert waren und in Fell gehüllt den kalten Winden trotzten. Ihre Nachfahren, die heutigen Samen, haben eine helle Haut, die finno-ugrische Sprache hat mehr Ähnlichkeit mit dem Ungarischen als mit dem Schwedischen.

Wissenschaftler nehmen an, dass Jäger und Sammler aus Mitteleuropa einst dem zurückweichenden Eis in Richtung der heute russischen Kola-Halbinsel und nach Nordskandinavien folgten. Die Felsbilder und Artefakte, die Archäologen in Laponia gefunden haben, lassen darauf schließen, dass Rentiere die Kultur der Menschen hier seit Urzeiten geprägt haben. Das Leben folgte dem Rhythmus der Rentierherden.

Die ganze Geschichte lesen Sie in der Februar-Ausgabe von NATIONAL GEOGRAPHIC.


(NG, Heft 2 / 2017, Seite(n) 124 bis 139)
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