Die Flint Hills sind nicht mehr so abgelegen wie einst, als erste Siedler mit Ochsenwagen den Verheißungen des Westens folgten. Heute durchziehen viele Straßen diese Hügellandschaft. Doch wer auf die Erhebungen steigt und sich die steife Brise um die Ohren wehen lässt, der sieht noch immer: einen offenen Himmel, weites Land, den unendlichen Horizont. Erlebt „die grenzenlose, einsame Prärie“, wie der amerikanische Dichter Walt Whitman diese Gegend im 19. Jahrhundert nannte. Was einem aber vor allem in den Sinn kommt, ist das Wort „Leere“. Eine grandiose Leere, gewiss, aber eben – Leere.
Riesige Flächen von Tallgrass-Prärie bedeckten einst die Great Plains, die Großen Ebenen östlich der Rocky Mountains. In der Vergangenheit haben die Amerikaner sie wenig gewürdigt, und noch immer dient ihr Gras als Viehfutter, wird auf großen Feldern Mais, Soja und Getreide angebaut. Die Schönheit dieser Landschaft erkennt man erst auf den zweiten Blick. Daran liegt es wohl, dass nur ein kleiner Teil als Naturpark unter Schutz gestellt wurde: das 4400 Hektar große Tallgrass Prairie National Preserve im US-Bundesstaat Kansas. Es gehört zur von der Naturschutzorganisation WWF ausgewiesenen Ökoregion Flint Hills.
Nordwestlich der Kleinstadt Strong City fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Kein Geräusch, kein Haus oder Auto erinnern an die Gegenwart. Wer diese uramerikanische Landschaft aber intensiv erleben will, sollte sich mit ihrem Ökosystem beschäftigen. Darf nicht nur in die Ferne, sondern muss nach unten blicken und genau hinschauen. Entlang der Bäche, in den tiefer gelegenen Gebieten, stehen viele Eichen und wenige Platanen. Von den Siedlern gepflanzte Milchorangenbäume flankieren die Schotterstraßen. Aber in höheren Lagen erstreckt sich wie schon immer die weite Prärie, vom nördlichen Kansas bis hinunter nach Oklahoma. Hier ist die Krume zu dünn, der Boden zu sehr mit Steinen durchzogen, als dass man ertragreich Ackerbau betreiben könnte. Auf Schritt und Tritt liegen Kalksteinplatten, wie umgestürzte Grabsteine.
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