Amanda Kitts betritt das Zimmer eines Kindergartens bei Knoxville in Texas. Sofort wuseln die Vier- und Fünfjährigen um sie herum. „Na, wie geht’s euch heute?“, fragt die schlanke, energische Frau heiter. Sie leitet diese Kindertagesstätte seit beinahe 20 Jahren. Sie geht in die Hocke, stützt ihre Hände auf den Knien ab und wendet sich einem der Mädchen zu. Ein paar Kinder kreischen: „Der Roboterarm!“ „Das habt ihr euch gemerkt, was?“, erwidert Kitts und streckt den linken Arm aus. Sie dreht die Handfläche nach oben. Ein leises Surren ist zu hören. Wenn man nicht genau aufpasst, bemerkt man es gar nicht. Als sie den Ellbogen beugt, surrt es wieder.
„Lass ihn was Komisches machen!“, fordert ein Mädchen. „Was Komisches? Ich kann dir die Hand schütteln.“ Amanda Kitts streckt den Arm aus und dreht ihr Handgelenk. Ein Junge greift danach, vorsichtig. Was er anfasst, ist fleischfarbener Kunststoff, der leicht nach innen gebogene Finger bedeckt. Darunter verbergen sich drei Motoren, eine Metallkonstruktion und ein Geflecht hoch entwickelter Elektronik. Die Prothese endet erst am Oberarm, auf Höhe des Bizeps: Eine weiße Kunststoffmanschette umschließt den Armstumpf. Den Rest hat sie 2006 bei einem Autounfall verloren.
Allerdings nicht ganz. Ein Bild des vollständigen Arms - eines Phantoms - existiert noch in ihrem Gehirn, unterhalb der Ebene des bewussten Denkens. Wenn Kitts sich vorstellt, sie würde den Ellbogen beugen, erzeugt ihr Gehirn Nervenimpulse, die von den elektrischen Sensoren in der weißen Manschette aufgenommen und in Signale zur Steuerung der Motoren umgewandelt werden. Und dann beugt sich der künstliche Ellbogen.
„Ich denke nicht darüber nach. Ich bewege ihn einfach“, sagt die 40-Jährige. Sie benutzt sowohl dieses Standardmodell als auch einen technischen Prototyp, der noch feiner zu steuern ist. „Nach meinem Unfall war ich lange Zeit verzweifelt: ‚Warum ich?’ Heute finde ich es spannend, denn der Arm wird ständig verbessert. Eines Tages werde ich damit richtig fühlen können und im Takt in die Hände klatschen, wenn die Kinder singen.“
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