Die Wikinger waren die ersten Fremden. Im Jahr 986 wagten sie sich nach Grönland und erlebten warme Sommer, die es später nie wieder geben sollte. Denn das Klima änderte sich dramatisch, die Kälte kehrte zurück. Viele Wikinger verhungerten. Die anderen flohen. Erst mehr als 600 Jahre später, im 17. Jahrhundert, trauten sich die Nächsten in den hohen Norden: europäische Walfänger auf der Jagd nach wertvollem Tran für Lampen. Nur widerwillig gab der Nebel den Blick frei auf die Küste, doch was die Männer dann sahen, machte sie demütig: mächtige Klippen, in denen Millionen Vögel kreischten. Fjorde, in denen Wale jagten, manche mit einem furchteinflößenden Horn. Menschen mit langen Haaren und stechenden Augen, die in Erdhäusern lebten und Hosen aus Bärenfell trugen. Grönland? Die Seefahrer fanden einen besseren Namen: Nebelland.
Viele Sommer sind seither vergangen. Nach den Walfängern kamen die Pelzhändler, Missionare und Abenteurer. Sie fanden eine Insel, die sich nie auf den ersten Blick zeigte. Im Winter waren die eisigen Weiten über viele Wochen in tiefe Dunkelheit gehüllt, im Sommer in Nebel. Was für ein Land, das sich ständig zu verbergen suchte.
Doch wer einmal begriffen hatte, dass der wichtigste Wesenszug dieser Insel die Langsamkeit war, der musste nur warten. Wenn sich der Vorhang endlich hob, schimmerte das Eis in tausend zarten Farben, und das Licht der Mitternachtssonne floss honiggelb über die Berge. Belugas drängten sich in den Buchten, und Schwärme von Eiderenten flogen so dicht über das Wasser, dass sie sich darin spiegelten. Im Sommer verließen die Jäger die Dörfer und zogen mit ihren Familien tief hinein in die Fjorde, um Robben nachzustellen. Die Kinder spielten bis weit nach Mitternacht vor den Zelten und in den eiskalten Pfützen und Seen. Die Mutigen wagten sich sogar ganz hinein.
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