Meeresschutz: Wo der Mensch verbannt ist

Autor: Cynthia Barnett  —  Bilder: Brian Skerry
Meeresschutz_Obama_main

Es war US-Präsident Theodore Roosevelt, der 1906 mit dem Antiquities Act ein Gesetzgebungsverfahren einführte, das es bis heute seinen Nachfolgern ermöglicht, öffentliche Gebiete von historischer oder wissenschaftlicher Bedeutung zum Naturerbe zu erklären. Seitdem sind in den USA mehr als 1200 marine Schutzzonen entstanden, die etwa ein Viertel des zum US-Territorium gehörenden Seegebietes umfassen.

Doch den rapiden Abbau der Meeresflora und –fauna hält das nicht auf, sagt Robin Kundis Craig, Juraprofessorin an der Universität von Utah und Ozeanspezialistin. Denn in den meisten geschützten Gewässern sind Fischfang oder andere Ressourcengewinnung in gewissem Umfang erlaubt. Eine Ausnahme sind die zwei Gebiete in der Arktis und im Atlantik, die US-Präsident Barack Obama unmittelbar vor Ende seiner Amtszeit im Dezember zur Schutzzone erklärte. Öl- und Gasgewinnung sind dort jetzt für immer untersagt.

Erst kurz zuvor, im Spätsommer 2016, hatte Obama den Antiquities Act genutzt, um zwei Meeresgebiete als Naturerbe auszuweisen. Zunächst erweiterte er das Papahanaumokuakea Marine National Monument im Nordwesten von Hawaii um das Vierfache auf über 1,5 Millionen Quadratkilometer. Blauwale, Hawaii-Mönchsrobben und Spitzenräuber wie Thunfische und Haie finden hier Zuflucht. Außerdem sind hier einige der nördlichsten und gesündesten Korallenriffe der Welt zu Hause – es sind solche, die die globale Erwärmung am ehesten überleben werden.

NG-Video: Cortes Bank im Pazifik


Drei Wochen später deklarierte Obama das erste Meeresschutzgebiet vor der Ostküste der USA: Northeast Canyons and Seamounts, gelegen etwa 210 Kilometer süd.stlich von Cape Cod und gut 12.700 Quadratkilometer groß. Umweltschützer hatten für ein wesentlich größeres Gebiet plädiert und sich dafür eingesetzt, dass auch das nahe gelegene Cashes Ledge unter Schutz gestellt wird. Doch die Fischfangindustrie wehrte sich erfolgreich. Seit Donald Trumps Wahl zum Präsidenten wollen ihre Lobbyisten nun auch die schon ausgewiesenen Gebiete neu verhandeln.

Zwar hat bisher noch nie ein US-Staatschef eine Schutzzone aufgehoben. Dennoch: Im Kampf um die Ozeane hat eine neue Phase begonnen. Experten rechnen damit, dass die neue Regierung Obamas Erlass aus dem Dezember, der Offshore Bohrungen in der Arktis und Teilen des Atlantiks dauerhaft verbietet, vor Gericht anfechten wird.

Amerikaner vom Naturschutz zu überzeugen, war schon in den 1870er-Jahren nicht leicht, als der Yellowstone Nationalpark ausgewiesen wurde, schreibt der frühere Parkranger und Autor Jordan Fisher Smith. Man glaubte den fantastischen Geschichten aus dem Wilden Westen der USA einfach nicht: goldene Canyons, Quellen, die in den Farben eines Regenbogens leuchten, spuckende Geysire?

NG-Video: Cashes Ledge im Atlantik


Zum Glück lieferten Fotos von William Henry Jackson und Gemälde von Thomas Moran die Beweise. 1872 beschloss der US-Kongress die Einrichtung des Schutzgebiets. Was bei den großen Nationalparks an Land funktioniert hat, auf die Amerika heute so stolz ist, lässt sich bei Meereslandschaften weniger leicht umsetzen. Auch sie gehören zwar allen Amerikanern – aber die wenigsten werden sie je zu Gesicht bekommen. Am Grand Canyon kann man wandern, jedes Jahr zieht er Millionen an. Aber wer den Northeast Canyons and Seamounts Park an der Außenkante des Kontinentalschelfs besuchen will, braucht ein U-Boot.

Die ganze Geschichte lesen Sie in der Februar-Ausgabe von NATIONAL GEOGRAPHIC. Was Barack Obama mit den Ozeanen verbindet, lesen Sie hier.


(NG, Heft 2 / 2017, Seite(n) 56 bis 77)
  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus