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Bis zum Horizont erstreckt sich die Tundra, scheinbar ohne Leben, wären da nicht die zähen Moschusochsen, die auf der Suche nach Seggen mit ihren Hufen den Schnee aufscharren. Ovibos moschatus nennt der Biologe diese Urviecher, die schon Zeitgenossen von Mastodon und Mammut waren. Im Gegensatz zu denen überstanden die Moschusochsen die Eiszeiten des Pleistozäns, die vor 10 000 Jahren zu Ende gingen. Erst die Menschen, gierig nach ihrem Fell und Fleisch, rotteten sie in Nordamerika vor 100 Jahren beinahe aus.
Auch um Kälber für Zoos einfangen zu können, wurden ihre Mütter abgeschossen. Intensive Schutzprogramme halfen später, dass die Ochsen sich wieder vermehren konnten.
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Heute leben allein auf Victoria Island in Kanada mehr als 60 000 Tiere. Um sie zu beobachten, verbrachte ich über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg insgesamt vier Monate in meiner Lieblingslandschaft nahe Cambridge Bay, 286 Kilometer nördlich des Polarkreises. Oft wenn ich in die blauweiße Weite blinzelte, schienen die Felsen lebendig zu werden - und entpuppten sich als mächtige Ochsen.
Ein anderes Mal präsentierten mir in einem Schneesturm zwei Bullen stoisch ihre schneeverkrusteten Köpfe. Sie sehen heute kaum anders aus als ihre Ahnen, die vor mehr als 90 000 Jahren die Landbrücke zwischen Asien und Nordamerika überquerten. Der Schnee erschwerte mir die Sicht, und die Kälte lähmte meine Bewegungen.
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Um mich anzutreiben, dachte ich an das Abenteuer eines Polarjägers im Jahr 1904. Er hieß Caspar Whitney und beschrieb, wie er sich, zugedeckt von einer Meute von Schlittenhunden, in sein Schlaffell hüllte: "Das gehört zur Moschusochsenjagd dazu", notierte er, "und deshalb erträgt man es."
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