Einige Flecken dieser Erde sind so wunderbar und zugleich so verletzlich, dass wir sie lieber nie betreten sollten. Es wäre besser, wir würden sie einfach aus der Ferne bewundern, allenfalls einen Beobachter entsenden, der leichten Fußes geht und uns davon berichtet – so ungefähr wie Neil Armstrong vom Mond.
Eine Landschaft, auf die das sicher zutrifft, ist Kronozkij Sapowednik, ein abgeschiedenes Naturreservat im Osten der russischen Halbinsel Kamtschatka . Mehr als 1500 Kilometer erstreckt es sich die Pazifikküste entlang. Es ist ein prachtvolles Terrain, dynamisch und üppig, wild und filigran, eine Fläche, fast so groß wie Schleswig-Holstein, voller Vulkane und Wald , Tundra und Flussauen. Mehr als 700 Braunbären teilen sich dieses Revier, an der Küste tummelt sich eine Kolonie Stellerscher Seelöwen. Die Flüsse und Seen wimmeln von mehreren Lachsarten und Forellen, aus der Luft spähen Adler und Gerfalken, am Boden hungrige Vielfraße nach Beute. Dieses Land ist alles in allem schlichtweg zu schön, um nur ein weiteres Reiseziel zu sein.
Doch so viel, wie das Naturreservat Kronozkij zu bieten hat, so viel kann hier zerstört werden. Und was einmal geschädigt wurde, gesundet nur stockend – wegen der Höhenlage, des langsamen Wachstums der Pflanzen, des Einflusses von Vulkanen und Geysiren und wegen des rauen Klimas. Was also hat der Mensch hier zu suchen, wenn auch nur als Besucher? Ich bin mir bewusst, wie merkwürdig diese Frage klingt, da ich doch gerade selber meine Stiefelabdrücke hinterlasse.
Russlands Regierung hat die Verletzlichkeit des Ökosystems anerkannt und Zugangsregeln erlassen, die kurz gefasst etwa so lauten: «Sperrzone zur Erforschung und zum Schutz von Flora, Fauna und Geologie; Tourismus beschränkt oder verboten; danke für Ihr Interesse, aber bleiben Sie draußen.»
Dies ist eine weitsichtige gesetzliche Vorschrift, mutig und mit Bedacht diktatorisch in einem Land, in dem die Diktatur eine lange, grausame Tradition hat. Wissenschaftler dürfen solche Schutzgebiete (Sapowedniki) betreten, jedoch nur zum Zwecke der Forschung und unter strengen Auflagen.
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