56.000 Menschen leben heute auf den felsigen Streifen zwischen Eis und Meer, die meisten an der Westküste. Gletscher und tief eingeschnittene Fjorde machen den Bau von Straßen zwischen den Ortschaften sinnlos, hier nimmt man das Boot, den Hubschrauber, das Flugzeug und – im Winter – den Hundeschlitten. Rund 15.500 Menschen, ein Viertel der Bevölkerung, sind in Nuuk zu Hause, der Hauptstadt Grönlands, etwa 500 Kilometer nördlich von Qaqortoq.
Wer sich eine Vorstellung von Nuuk machen will, der denke an eine nordische Kleinstadt mit Fjord und großartiger Gebirgskulisse. Dazu triste Wohnhäuser im Ostblockstil. Er nehme zwei Verkehrsampeln und einen Neun-Loch-Golfplatz dazu: Fertig ist die Hauptstadt. Die heruntergekommenen Apartmentblocks sind die Hinterlassenschaften eines Zwangsmodernisierungsprogramms der dänischen Regierung in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Dahinter stand die Absicht, die Grönländer aus kleinen verstreuten Dorfgemeinschaften in einige wenige, größere Städte umzusiedeln, ihnen bessere Schulen und medizinische Versorgung zu verschaffen und Arbeiter für die Fabriken der damals prosperierenden Kabeljauindustrie anzulocken. Welchen Nutzen auch immer diese Politik hatte, sie war die Ursache einer Fülle gesellschaftlicher Probleme, unter denen Grönland bis heute leidet: Alkoholismus, zerrissene Familien, Selbstmorde.
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