Oktopusse: Die Macht der Acht

Autor: Olivia Judson  —  Bilder: David Liittschwager

Video oben: Der flinke Octopus berrima zeigt sein Können.

Oktopusse, auch Kraken genannt, gehören neben Sepien und Kalmaren zu den Tintenfischen. Und von allen Tieren, die keine Wirbelsäule besitzen - wie Schnecken, Quallen oder Seesternen - scheinen sie dem Menschen am ähnlichsten zu sein.

Oktopusse können unseren Blick erwidern; manchmal wirkt es, als musterten sie uns. Das unterscheidet sie von manch anderem Meeresbewohner : Die meisten Fische erwecken nicht den Eindruck, als schauten sie uns an. Aber es liegt auch an der Geschicklichkeit der Oktopusse. Mit Hunderten Saugnäpfen an jedem ihrer acht Arme können sie Gegenstände handhaben – zum Beispiel Muscheln öffnen, das Filtersystem eines Aquariums auseinandernehmen oder Deckel von Gläsern abschrauben. Bei aller Intelligenz gelingt das selbst manchen Säugetieren nicht, zum Beispiel weil sie aufgrund ihres Körperbaus nicht dazu in der Lage sind.

Gleichzeitig wirken Kraken geheimnisvoll, als kämen sie von einem anderen Planeten. Da wären zunächst einmal ihre drei Herzen – ein Hauptherz und zwei Kiemenherzen – und das blaue Blut. Dessen Farbe verdanken Kraken dem Kupfer, das statt Eisen in ihrem Blut für den Transport von Sauerstoff zuständig ist und das sich in Verbindung mit diesem bläulich färbt.

Und: Oktopusse besitzen ein hochentwickeltes Nervensystem. Eine typische Schlammschnecke hat beispielsweise nur 10.000 Neuronen; Hummer haben um die 100.000; Springspinnen vielleicht 600.000, Honigbienen und Kakerlaken, die nach den Cephalopoden als die neuronenreichsten wirbellosen Tiere des Planeten gelten, ungefähr eine Million.

NG-Video: Der Fotograf dieser Strecke, David Liittschwager, spricht über seine Arbeit


Mit seinen 500 Millionen Neuronen spielt also bereits der Gewöhnliche Krake (Octopus vulgaris) in einer ganz anderen Liga. Geht es rein nach der Anzahl der Nervenzellen, ist er besser ausgestattet als eine Maus (80 Millionen) oder eine Ratte (200 Millionen) und liegt fast gleichauf mit einer Katze (um die 700 Millionen).

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Video oben: Das Gift von Hapalochlaena maculosa ist auch für Menschen tödlich.


(NG, Heft 11 / 2016, Seite(n) 76 bis 96)
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