Ozark Highlands Trail: Amerikas verwunschene Wildnis

Autor: Mel White  —  Bilder: Peter Essick

Seit tausenden von Jahren hat sich die Aussicht von den Steilhängen der White Rocky Mountains kaum verändert. Der nahezu unversehrte Wald der Ozark Highlands im amerikanischen Bundesstaat Arkansas reicht bis zum Horizont, die Bergkämme und Täler sind so viele wie die Wellen des Ozeans. Könnte man ein Video der vergangenen Jahrtausende im Zeitraffer zeigen, würde man Feuer sehen und Sturmschäden sowie den Holzeinschlag von Siedlern, die kamen und wieder weiterzogen. In der Gegenwart angekommen, sähe man, was auch die Osage-Indianer schon sahen.

White Rock liegt am Meilenstein 18 des Ozark Highlands National Recreation Trail. Der 265 Kilometer lange Wanderweg führt durch den Nordwesten von Arkansas, hauptsächlich durch den 4900 Quadratkilometer großen Ozark National Forest. Die Ausblicke von den höchsten Punkten des Hochlands sind atemraubend und gehören zu den schönsten Panoramen zwischen den Appalachen und den Rocky Mountains. Doch wenn die Menschen, die den Wanderweg kennen und lieben, beschreiben, was sie an ihm so sehr mögen, dann nennen sie im Allgemeinen nicht die weiten Ausblicke, so schön diese auch sein mögen.

Sie schwärmen von den Wasserfällen und den Bächen, die bei jedem Regen anschwellen und im Sommer verträumte Teiche bilden, die selbst den Prüdesten zum Nacktbaden verführen. Sie erzählen von Felsformationen, die wilden Skulpturgärten gleichen, und von Hängen voller Waldlilien. Sie beschreiben, wie sich der Weg mit den Jahreszeiten wandelt, von der weißen Farbenpracht der blühenden Felsenbirne im Frühling, bis zu den Rot- und Orangetönen des Tupelobaums im Herbst. «Es ist diese wilde Natur, die den Wanderweg zu etwas besonderem macht», sagt Tim Ernst und lehnt sich an einen Felsvorsprung aus Sandstein unter hohen Buchen. Die lautesten Geräusche in diesem engen Tal sind das Gezwitscher von Meisen und das Plätschern des Wassers, das über kleine Kaskaden bergab springt. Auf dem Hügel darüber wachsen Kiefern, deren Stamm zwei Menschen, die sich an den Händen hielten, kaum umfassen könnten.

Ohne das Engagement von Freiwilligen wie Tim ernst wäre die Schönheit dieser entlegenen Landschaften für uns wohl unerreichbar. Denn obwohl der Pfad durch die Ozark Highlands als staatlicher Trail ausgewiesen ist, liegt die Instandhaltung des Wanderwegs weitgehend in der Hand ehrenamtlicher Helfer, die große Mühen für die Finanzierung und die Pflege der von ihnen „adoptierten“ Streckenabschnitte aufwenden. Wenn Ernst auch nicht der Vater des Ozark Highlands Trail ist, so kann man ihn doch zweifellos seinen Pflegevater nennen. Der Wanderpfad wurde in den siebziger Jahren angelegt, als der Rucksack- und Kanutourismus Zehntausende Amerikaner hinaus in die Natur lockte. Doch in den achtziger Jahren wurden unter Präsident Ronald Reagan die Budgets der amerikanischen Forstverwaltung heftig gekürzt, und der kaum begonnene Bau des Ozark Highlands Trail brauchte private Unterstützung, um ihn fertigzustellen.

Reisetipps: Auf den Spuren des Ozark Highlands Trail

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(NG, Heft 03 / 2011, Seite(n) 140)
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