Retter am Riff der Phoenixinseln

Autor: Gregory S. Stone  —  Bilder: Brian Skerry

Rasselnd fällt der Anker an der schweren Eisenkette ins Wasser. Wir lassen zwei rote Beiboote von unserem Forschungsschiff herab, laden unsere Tauchaus­rüstung ein und fahren hinüber in die Lagune. Fünf Tage hat unser Törn von Fidschi hierher zur Insel Kanton gedauert. Nun sind wir gespannt zu sehen, ob die Riffe die Katastrophe überlebt haben: Im Winter 2002/2003 hatte eine warme Meeresströmung – ein El-Niño-Ereignis – das Wasser rund um die Phoenixinseln ungewöhnlich stark aufgeheizt. Sechs Monate lang war es mehr als ein Grad wärmer als normal. Ein Grad, das kann an der Obergrenze der Verträglichkeit den Un­terschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Wir hatten von einer schlimmen Korallenblei­che gehört. Als ich nun zum Lagunengrund tauche, hoffe ich noch, dass man die Situation dramatischer darstellte, als sie ist.

Unten am Riff erinnert zunächst kaum etwas an die frühere Schönheit. Von einst blühenden Korallenstöcken sind nur zerfallende Skelette übrig geblieben. Als ich die Phoenixinseln vor zehn Jahren besuchte, leuchteten hier Steinkorallen in allen Formen und Farben, wimmelte es von Riesenmuscheln, Seeanemonen und bunten Nacktschnecken. Unübersehbar war die Zahl der Fische, vom Schwarzspitzen-Riffhai über Papageifische bis zum prächtigen Doppelfleck-Schnapper, auch Felsenlachs genannt. Überfischung, Verschmutzung und andere schädliche Einflüsse der modernen Zivilisation hatten die abgelegenen Inseln weitgehend verschont. Der Klimawandel ging allerdings nicht an ihnen vorüber. Viele Wissenschaftler glauben, dass er die El-Niño-Phänomene verstärkt.

Dann sehe ich etwas, was mich angenehm überrascht: Jede Menge Fische tummeln sich über jungen Korallen, die auf dem Schutt der abgestorbenen Kalkbänke ihrer Vorgänger wachsen. Kann es sein, dass sich die Riffe der Phoenixinseln wieder erholen? Folgen sie dem Vorbild ihres mythologischen Namensgebers, der sich zu neuem Leben aufschwingt?

Im Jahr 2000 bin ich schon einmal hier gewesen, in Tarawa, der Hauptstadt des pazifi­schen Inselstaats Kiribati, zu dem die Phoenixinseln gehören. Der Flughafen war damals kaum mehr als ein Freiluftterminal. Im Fischereiministerium hatten mich David Obura und Sangeeta Mangubhai empfangen, Mitarbeiter der Meeresschutzorganisation Cordio (Coastal Oceans Research and Development in the Indian Ocean). Sie hatten mich unterstützt, als ich die Unterwasserfauna der Region erst­mals systematisch untersuchte. Den Ministern für Fischerei und Umwelt präsentierten wir eine Diashow mit Bildern von Haien, Korallen und dichten Schwärmen bunter Fische. Die Beamten kannten eigentlich nur die zerstörten Riffe im Umkreis ihrer Städte und Dörfer. Die Vielfalt der Phoenixinseln hatte sie tief beeindruckt.

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(NG, Heft 02 / 2011, Seite(n) 142)
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