Schlaf – Akku allen Lebens

Autor: D. T. Max  —  Bilder: Maggie Steber
Frage des Monats
Wie heißt das Gerät zur Aufzeichnung der elektrischen Aktivität der Zellen im Gehirn?
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Ausschließlich Schlafstörungen widmet sich in den USA das Schlafmedizinische Zentrum an der Stanford-Universität. Die Klinik betreut jedes Jahr mehr als 10000 Patienten. Die Schlafzimmer sind hübsch eingerichtet, die Betten weich und gemütlich. Die Überwachungsapparaturen für die Schlafstudien hat man im Mobiliar versteckt. Die wichtigste Diagnosetechnik ist das Polysomnogramm. Sein Hauptelement, der Elektroenzephalograf (EEG), zeichnet die elektrische Aktivität der Zellen im Gehirn des schlafenden Patienten auf.

Wenn wir einschlafen, verlangsamt sich die Gehirntätigkeit, die Messung der elektrischen Signale macht dies sichtbar: Kurze, zackige Ausschläge auf der Messkurve gehen über in längere Wellen. In unregelmäßigen Abständen werden sie durch heftige Ausschläge unterbrochen. Es sind die Signale des REM-Schlafs. In diesen Phasen irgendwo zwischen Schlafen und Wachen träumen wir.

Während das EEG-Gerät diese Phasen aufzeichnet, messen technische Assistentinnen auch Körpertemperatur, Muskelaktivität, Augenbewegungen, Herzrhythmus und Atmung. In den Daten suchen sie dann nach Anzeichen für einen anormalen Schlaf oder häufiges Aufwachen. Da sind etwa Menschen, die an Narkolepsie leiden. Ihr Hauptsymptom ist andauernde Tagschläfrigkeit. Manchmal schlafen sie ungewollt in Situationen ein, die für sie peinlich sind. Dafür können sie nachts kaum durchschlafen und leiden nicht selten unter Halluzinationen.

Narkolepsie wäre ohne EEG und andere Aufzeichnungsgeräte nicht zu diagnostizieren. Die Schlafprobleme der meisten Patienten erkenne er allerdings schon beim ersten Gespräch, sagt Clete Kushida, der Klinikdirektor in Stanford: Die einen können kaum die Augen offenhalten, die anderen reden ständig von ihrer Erschöpfung, können aber nicht einschlafen. Die Patienten der ersten Gruppe leiden häufig an Schlaf-Apnoe. Bei denen aus der zweiten Gruppe liegt eine „echte Schlaflosigkeit“ vor, wie Kushida es nennt.

Bei der Schlaf-Apnoe verschließen sich die Atemwege, weil die mit dem Schlaf einsetzende Muskelentspannung das weiche Gewebe von Rachen und Luftröhre erschlaffen lässt. Das Gehirn merkt, dass es nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, und schickt ein Notsignal an den Körper, der daraufhin aufwacht. Der Patient nimmt einen tiefen Atemzug, das Gehirn ist versorgt, und der Schlaf kehrt zurück. Für Menschen mit Schlaf-Apnoe besteht der Nachtschlaf in Wirklichkeit aus hundert Minischläfchen. Schlaf-Apnoe ist der Kassenschlager in den Schlafkliniken, auch in Deutschland. Bei zwei Dritteln der untersuchten Personen wird diese Art der Störung diagnostiziert.

In der Regel behandelt man die „echte Schlaflosigkeit“ mit einem zweistufigen Verfahren. Zunächst mit Schlafmitteln. Die meisten Präparate verstärken die Aktivität des Neurotransmitters GABA, der im Organismus ganz allgemein Ängste und Aufmerksamkeit steuert. Schlafmittel sind zwar heute nicht mehr so gefährlich wie früher, sie können aber zu psychischer Abhängigkeit führen. Viele Anwender klagen, der Schlaf mit Schlafmitteln fühle sich anders an, und nach dem Aufwachen hätten sie einen Kater. "Schlaftabletten sind kein natürlicher Weg zum Schlaf", sagt Charles Czeisler, der Leiter einer Arbeitsgruppe Arbeit, Gesundheit und Sicherheit an der Harvard-Universität. Außerdem können Schlafmittel die Schlaflosigkeit langfristig verschlimmern.


(NG, Heft 5 / 2010)


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