Sudan: Hoffnung auf Frieden

Autor: Matthew Teague  —  Bilder: George Steinmetz

Dies ist die Geschichte von Logocho, einem kleinen Jungen im Südsudan. Sie beginnt in den achtziger Jahren, als der zweite Bürgerkrieg im Land noch nicht ausgebrochen ist. Der Junge ist neun Jahre, da wird er eines Tages in der Grashütte der Familie von seinem Vater gepackt und von ihm und einem älteren Jugendlichen auf den Boden gedrückt. Es ist die Geschichte eines Jungen, der von diesem Tag an viel Gewalt erfährt, der sich aber nie aufgibt. Es ist damit auch die Geschichte seines Landes, die nun vielleicht doch eine glückliche Wendung nimmt.

Er ist schon ein merkwürdiger Junge, dieser Logocho. Er verweigert es bisher, sich zu den Traditionen zu bekennen. Schultern und Brust seines Vaters, der sich über ihn beugt, sind von wulstigen Stammesnarben gewellt. Punkte und Striche überziehen wie Morsezeichen Gesicht und Stirn und signalisieren allen potenziellen Viehdieben, dass er, ein Murle, seine Rinder notfalls mit Speer und Messer, mit Fäusten und Zähnen gegen sie verteidigen wird.

Andere Kinder unterziehen sich schon früh dem Initiationsritus. Logocho lief immer fort. Nun aber liegt er im Staub, mit einem Körper, glatt wie der eines Kälbchens. Kein Zeichen der Murle ist an ihm zu entdecken. Und was seinen Vater noch mehr bekümmert: Der Neunjährige zeigt kein Interesse an Rindern. Zwar saugt er, wie sein Bruder, Milch aus den Zitzen der Kühe, doch für ihn bedeuten die Tiere nur Nahrung. Dabei leben die Männer der Murle seit unzähligen Generationen mit ihren Kühen. Sie geben ihnen Namen, schmücken sie, schlafen neben ihnen. Singen von ihnen. Tanzen ihnen zu Ehren. Lieben sie. Männer bezahlen mit ihnen ihre Bräute, die ihnen Kinder geben, die wiederum für noch mehr Kühe sorgen.

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(NG, Heft 11 / 2010)


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