Süßer Lohn

Autor: Jennifer S. Holland  —  Bilder: Mark W. Moffett
Bestäuber Main Picture

«Früher, als die landwirtschaftlichen Betriebe nicht so groß waren, brauchten wir uns um die Bestäubung nicht extra zu kümmern», erklärt die Biologin Claire Kremen von der Universität Berkeley in Kalifornien. «In der vielgestaltigen Landschaft gab es überall geeignete Bestäuber. Heute, in einer Zeit der Monokulturen, muss man Heerscharen von Insekten eigens heran­schaffen, damit die Sache klappt.»

Mindestens hundert kommerziell angebaute Nutzpflanzen werden heute fast ausschließlich von gemieteten Völkern der Europäischen Ho­nigbiene Apis mellifera bestäubt. Andere Bienen­arten befruchten bestimmte Feldfrüchte pro Kopf zwar fünf- bis zehnmal effizienter – zum Beispiel einige Mauerbienen. Die Völker der Honigbienen sind aber größer (sie können aus 30000 oder mehr Tieren bestehen), sie fliegen weitere Strecken, und sie vertragen Bewirtschaftung und Transport besser als die meisten anderen Insek­ten. Außerdem sind sie nicht wählerisch: Unsere Honigbienen fliegen nahezu alle Nutzpflanzen an, man kann sie also vielfältig einsetzen.

Die industrielle Landwirtschaft könnte das System überfordern. Seit Honigbienen künstlich gehalten werden, mehren sich bei ihnen Krank­heiten und Parasiten. Im Jahr 2006 kam es zu einem Massensterben. In den USA und einigen anderen Ländern verendeten die Bienen wäh­rend des Winters in riesiger Zahl. Oft fanden die Imker nur noch die Königin und ein paar müde Arbeiterinnen in den Stöcken. Manche Züchter hatten den Verlust von fast 90 Prozent ihrer Bienenvölker zu beklagen. Das rätselhafte Sterben hat inzwischen zwar einen Namen: CCD (Colony Collapse Disorder – „Zusammen­bruch der Kolonien“), aber die Ursache liegt nach wie vor im Dunkeln.

Anfangs waren viele Experten der Meinung, es liege an den Chemikalien, die auf den Feldern ausgebracht werden. Der Bienenforscher Jeff Pettis vom US-Landwirtschaftsministerium meint dazu: «Wir finden tatsächlich mehr Er­krankungen bei Bienen, die mit Pestiziden in Kontakt gekommen sind, und sei es nur in ge­ringer Dosierung.» Aber bei der Seuche CCD kämen wohl mehrere Belastungsfaktoren zu­sammen. Schlechte Ernährung und der Kontakt mit Chemikalien könnten die Abwehrkräfte der Bienen schwächen, so dass ein Virus ihnen schließlich den Garaus macht. Neuere Untersu­chungen haben zudem gezeigt, dass Pilzgifte, von denen man glaubte, sie seien für Bienen ungefährlich, im Darm der Insekten die Mikro­benflora angreifen, die den Pollen verdaut. Das könnte die Nährstoffaufnahme und damit die Gesundheit der Bienen schädigen. Vielleicht wirken auch Viren und krankheitserzeugende Pilze zusammen. «Ich wünschte», sagt Pettis, «es gäbe nur eine einzige Ursache. Dann wäre die Lösung des Problems leichter zu finden.»

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(NG, Heft 03 / 2011, Seite(n) 92)

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