Eines der langlebigsten und einflussreichsten Kunstwerke, die je geschaffen wurden, ist die "Ilias" des Homer. Heute glauben Archäologen, dass dieses Heldenepos mehr als ein Mythos ist. Im ersten Teil einer dreiteiligen Serie über das antike Griechenland berichtet NATIONAL GEOGRAPHIC von neuen Erkenntnissen, die sich auf Funde aus der Bronzezeit stützen.
Die Handlung der vor bald 3000 Jahren geschaffenen "Ilias" ist trügerisch einfach: sie beschreibt die Ereignisse während einer Zeitspanne von zwei Wochen bis 51 Tagen – die Ansichten der Forscher differieren – im letzten Jahr des berühmten Trojanischen Krieges. Griechen und Trojaner kämpfen um Helena, die entführte Gemahlin des Königs von Sparta. Historiker vermuten jedoch, dass nicht die Schönheit Helenas, sondern eher Streitigkeiten über Handelsrouten den Trojanischen Krieg auslösten.
Die Anfangsverse der "Ilias" erzählen die explosive Auseinandersetzung zwischen Achilles, dem größten aller vor Troja versammelten griechischen Krieger, und seinem mächtigen Feldherren Agamemnon. Rasend vor Zorn, zieht sich Achilles aus dem Krieg zurück. Mit verheerenden Folgen für seine griechischen Kameraden. Als Hektor, der trojanische Prinz, Achilles’ geliebten Gefährten Patroklos tötet, kehrt jener aufs Schlachtfeld zurück und erschlägt Hektor.
Das Epos endet mit dem Begräbnis des tapferen Trojaners. Auf einer anderen Ebene lotet die "Ilias" jedoch die tiefsten Anliegen der Menschheit aus: die Grenzen des Menschlichen, die Beziehung des Einzelnen zu seinen Göttern und seiner Gemeinschaft, zu Ehre, Krieg, Sterblichkeit und Tod.
Heute könnte die Geschichte in einer Großstadt spielen, in der Griechen und Trojaner als zwei verfeindete, von verzweifelter Ruhmsucht getriebene Banden auftreten, die gegenseitig ihre Wohnviertel vernichten und ihre Zukunft zerstören. mehr...