Die Wikinger begründeten ein Zeitalter der Entdeckung, des Handels und der Kolonisation, das nahezu 300 Jahre, von etwa 790 bis 1066 n. Chr., andauern sollte. Die Dänen hinterließen auf den Britischen Inseln und an den Küsten Europas ihre Spuren. Die Schweden drangen über russische Flüsse nach Osteuropa vor, gelangten bis Konstantinopel und in den Orient. Die Norweger setzten gar kühn über den Atlantik und landeten in Nordamerika.
Die Nordmänner betrieben Fischfang, Ackerbau und Viehzucht, doch ein Mangel an bebaubaren Land setzte dem wirtschaftlichen Aufschwung Grenzen. Wer stark war, bereicherte sich daher auf saisonalen Raubzügen an benachbarten Küsten. Plündern war ein Lebensstil, frei von moralischen Bedenken. Wiking ist die altnordische Bezeichnung für "Piraterie". Die Nordmänner zogen also auf "wiking".
Manche haben die Wikinger deswegen bewundert, weil deren Frauen sich scheiden lassen konnten und häufig große Macht ausübten, wenn die Männer in der Ferne waren. Doch andererseits hielten die Wikinger Sklaven und waren berüchtigt für Blutrünstigkeit. Eher schon faszinieren ihr freies, autonomes Handeln und ihre Unberechenbarkeit. Das verdeutlicht ein Bericht über Wikinger, die sich Paris näherten. Ein Bote, den der Frankenfürst Ragnold den Marodeuren entgegengesandt hatte, kehrte völlig ratlos zurück. "Ich wusste nicht, wen ich ansprechen sollte", rapportierte er. "Sie sagten, dass sie alle Häuptlinge seien."
Die einen, besonders die Skandinavier, stilisierten die Wikinger zu Helden. Die anderen, vor allem die christlichen Mönche, verteufelten sie in apokalyptischen Berichten. Jahrhunderte später wurden sie von politischen Ideologen als Beispiel rassischer Reinheit missbraucht. Die isländischen Sagas und Versdichtungen wurden erst Jahrhunderte nach der Wikingerzeit aufgeschrieben. Die Wikinger selber hinterließen keine Literatur, lediglich Runensteine mit knappen Inschriften wie: "Bjorn Finnvids Sohn ließ diesen Stein gravieren zum Gedenken an seinen Bruder Olaf. Er wurde auf Finnveden heimtückisch ermordet. Gott helfe seiner Seele."
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