Unter meinem kleinen Flugzeug zieht ein Staubsturn über die Wüste und über weite überschwemmte Flächen. Der Staubsturm ist gefährlich. Und diese Überschwemmung - geradezu verrückt! Ich hätte es wissen müssen, was hier alles passieren kann. Hab ich aber nicht, und nun sitze ich in der Patsche. Im Flugzeug über Australien, das hat etwas von einer Marsexpedition. Roter Sand, so weit das Auge reicht, und es sieht so gar nicht aus wie zu Hause. Ich bin gekommen, um mir einen Eindruck von Australiens Fremdartigkeit zu verschaffen - und von den Konsequenzen, die das mit sich bringt. Aber mitten in diese Konsequenzen hineinstolpern, das wollte ich eigentlich nicht. Mein Flugzeug ist zur Falle geworden, denn an eine Landung ist bei diesem Sturm nicht zu denken.
An seinen Rändern bietet Australien ein vertrautes Bild: Da gibt es Städte, Wälder, Flüsse und Strände. Doch der Kern ist bizzar. Und eigenwillig sind auch die jüngsten Besiedler mit diesem Land umgesprungen. Mit ihrer Landwirtschaft und ihren Abholzungen hätten sie den Kontinent in den vergangenen 200 Jahren zerstört, meinen Umweltschützer aus dem In- und Ausland. Als die Europäer kamen, waren neun Prozent bewaldet; heute sind es nur noch fünf Prozent. Um mir davon ein Bild zu machen, bin ich gekommen.
"Man hätte es wissen müssen" - dies scheint Australiens Dilemma zu sein. So ähnlich äußert sich geraume Zeit später, lange nachdem ich sicher gelandet bin, auch ein Farmer, mit dem ich über kompaktes Salz gehe. Früher einmal war hier eine saftige Weide. "Es muss in den dreißiger Jahren gewesen sein", sagt Mike Irvine. "Mein Vater hat das Stück Land dort gerodet, hat eine Getreideernte eingebracht, und im Jahr danach war alles versalzt." Als Untermalung knirscht Salz unter unseren Füßen.
Hinter uns, in einem Salzsumpf, steht ein Wäldchen toter Eukalyptusbäume. Ein Friedhof grauer Baumskelette, die Äste wie zum Abschied gehoben. Salt scald heißt so etwas hier - man setzt also die Salzschäden mit Brandwunden gleich. Der Boden enthält dünne Salzschichten unmittelbar über dem Grundwasser. Ursprünglich hielt der hohe Wasserverbrauch der Bäume den Wasserspiegel niedrig. Nachdem die Farmer Millionen Hektar Land gerodet hatten, stieg das Grundwasser - das Salz kam an die Oberfläche. Die Versalzung ist eines der größten Probleme Australiens, bei denen man sich wünscht, es vorher gewusst zu haben. Heute sind zehn Prozent des so genannten Weizengürtels von Westaustralien versalzt, insgesamt etwa 1,8 Millionen Hektar. Im Süden und Osten sind weitere 700 000 Hektar betroffen. Das Salz gefährdet auch die Trinkwasserversorgung der Städte.
Es ist bitter, dass dieser Kontinent durch menschliche Fehler einen Teil seiner Ursprünglichkeit verloren hat. Australiens Natur ist die artenreichste der Welt, doch dieser Reichtum wird vertan. Die Australier haben den Ernst der Lage erkannt - das Umdenken hat begonnen. Mit Programmen wie Project Eden oder Landcare versuchen sie, die Umweltkatastrophen zu überwinden. Mike Irvine ist Mitglied einer Initiative, die Bäume pflanzt, um den Grundwasserspiegel wieder zu senken. "Wenn wir heute noch mal von vorn anfangen könnten", sagt Irvine leise, "würden wir es anders machen."
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