Schönheit definieren? Genauso gut könnte man eine Seifenblase sezieren. Wir erkennen sie, wenn wir sie sehen - jedenfalls glauben wir das. Die Wissenschaft erklärt Schönheit zur Strategie, Philosophen formulieren sie als moralische Gleichung, Dichter greifen nach dem Erhabenen. "Leute kommen zu mir und sagen: 'Herr Doktor, machen Sie mich schön'", verrät ein Schönheitschirurg. "Und was wollen sie? Hohe Backenknochen und ein markanteres Kinn."
Im besten Fall ist Schönheit ein Fest der Sinne. Vom Txikão-Krieger in Brasilien mit seinen aufgemalten Jaguarflecken bis zu Madonna mit ihrem Metall-BH genießt der Mensch jede Gelegenheit, die Alltagshaut abzustreifen; er liebt Masken, mit denen er Stärke, Romantik und Sex suggerieren kann.
Die Suche nach Schönheit durchzieht Jahrhunderte und Kontinente. Ein Relief in der Grabkammer des ägyptischen Adligen Ptahhotep, der um 2400 v. Chr. lebte, zeigt ihn bei der Pediküre. Unter den Aristrokaten des 18. Jahrhunderts hatte die Pflege des Erscheinungsbildes herausragenden Stellenwert.
Heute ist das Streben nach dem perfekten Aussehen ein globales Phänomen. Russland lockt mit billigen Schönheitsoperationen. In China sprießen Kliniken für kosmetische Chirurgie schneller aus dem Boden als Bambussprossen im Frühling.
Auf jeden Fall ist die Suche nach Schönheit kostspielig: Beispielsweise kauften allein die Deutschen im Jahr 1998 Produkte der dekorativen Kosmetik und Körperpflege im Wert von 17,7 Milliarden Mark. Allein für Hautpflegemittel gaben sie fast 3,8 Milliarden Mark aus, für Haarpflegemittel 3,3 und für Düfte 1,5 Milliarden Mark.
"Wir leben in einer Kultur, die völlig durchgedreht ist. Wir sind von einem nymphenhaften Schlankheitsideal besessen, und andererseits bewegen wir uns in Richtung Fettleibigkeit", sagt Catherine Steiner Adair, eine Psychologin am Harvard-Zentrum für Essstörungen in Boston. Eine Studie belegt, dass 80 Prozent der Frauen mit ihrem Körper unzufrieden sind. Wenn Marilyn Monroe heute bei den Weight Watchers hereinspazierte, würde mit Sicherheit niemand mit der Wimper zucken. Man nähme sie auf der Stelle auf... .
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