Die Thomas G. Thompson wühlt sich im Winter 2000 von San Diego aus in Richtung Süden durch die Wellen - und wir erfahren ganz unmittelbar die Kraft des Ozeans. Das 84 Meter lange Forschungsschiff tanzt auf Bergen grauer Wogen, aufgewühlt von einem weit entfernten Sturm im Nordpazifik. Viele an Bord sind seekrank.
Das Schiff der US-Marine steht im Dienst des Instituts für Ozeanografie der Universität von Washington und steuert auf den 24. Breitengrad zu. Auf dieser Linie wollen wir weiter nach Hawaii fahren. Unterwegs soll die "Thompson" messen, was sich in den vergangenen 15 Jahren im Ozean verändert hat. So lange ist es her, seitdem ein Forschungsschiff dieselbe Route fuhr. An Bord des Schiffs unter der Führung von Kapitän F. Gray Drewry sind neben 19 Besatzungsmitgliedern auch 22 Wissenschaftler. Geleitet wird die Expedition von Steve Riser, Professor für Ozeanografie an der Universität von Washington und erfahrener Kenner der Sieben Meere.
Einige Wissenschaftler melden ständig Veränderungen in der Temperaturverteilung und dem Salzgehalt. Die Daten sollen ein Modell formen, das die Bewegungen des Wassers über unsere Erde beschreibt. Die Forscher wollen sich ein besseres Bild von den enormen Wassermengen machen, die im Wechsel der Jahreszeiten, der Jahre und Jahrhunderte auf unserem Globus unterwegs sind, und davon, welche Folgen unser Planet daraufhin zu erwarten hat. Tief verwurzelt im Boden des Festlands, vergessen wir leicht, dass wir in einer Wasserwelt leben.
70 Prozent der Erde sind von Ozeanen bedeckt. Ihre Oberfläche ist in den vergangenen Jahrhunderten ausgiebig vermessen und in gute Karten eingetragen worden. Doch die dritte Dimension der Ozeane, ihre Tiefe, und die vierte Dimension, ihre Veränderungen in der Zeit, sind noch weitgehend unerforscht. Das ändert sich nun. Mit neuen, mit "technischen Augen" blicken Ozeanografen unter die Oberfläche und verfolgen den Lauf der globalen Wasserzirkulation über die Zeit.
Wissenschaftler nehmen chemische "Fingerabdrücke" von Strömungen, um ihre Ausläufer überall identifizieren zu können. Intelligente Torpedos wandern mit den Strömungen und registrieren ihre Wege. Satelliten messen mit ihren Radarstrahlen und optischen Scannern aus der Vogelperspektive das Geschehen auf der Oberfläche der Ozeane. Zusammen liefern die Verfahren ein Bild unserer Meere, das komplexer und abwechslungsreicher ist, als wir es uns je vorgestellt haben. "Uns fehlen Daten aus allen Ecken der Welt, damit wir die Teile, die wir haben, zu einem Bild zusammenfügen können", sagt Riser. Eine dringende Aufgabe, denn, wie es scheint, hängt das Leben auf unserem Planeten eng mit der Bewegung seiner Ozeane zusammen.
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