In der Südsee steht Neukaledonien stets im Schatten seiner exotischeren Rivalen Tahiti und Bora Bora. Zu Unrecht: Der kleine Archipel kann sich ebenso ausgedehnter Korallenriffe rühmen, unberührter Regenwälder und hoher Klippen, die steil in das türkisblaue Meer abfallen.
Vielleicht ist ein Grund für die fehlende Beachtung, dass die melanesischen Ureinwohner, die Kanaken, und die französischen Kolonisten nie viel füreinander übrig hatten. Verglichen mit den Polynesiern auf Hawaii , Tahiti und anderen weiter östlich gelegenen Inseln, haben sich die Melanesier der Kolonalisierung stärker widersetzt. Einen Höhepunkt erreichten die Feindseligkeiten zuletzt in den achtziger Jahren, als die Kanaken in ihrem Kampf für die Unabhängigkeit die Häuser weißer Siedler in Brand steckten.
Französische Truppen wurden eingeflogen, um den Aufstand niederzuschlagen. Inzwischen haben sich die Spannungen gelegt, die Volksgruppen arbeiten enger zusammen und haben von Paris größere Autonomie erhalten. Eine andere Ursache dafür, dass Neukaledonien im Vergleich im Vergleich der Inseln niedrigere Wertungspunkte erhält, könnten die Narben sein, die das Land davongetragen hat.
Im französischen Neukaledonien, das aus der 400 Kilometer langen Hauptinsel Grande Terre und vier kleinen Inseln im Osten besteht, spielt der seit über einem Jahrhundert andauernde Nickelabbau eine weitaus größere Rolle als der Tourismus und die Sorge um den Erhalt der einzigartigen Flora und Fauna. 40 Prozent der weltweiten Nickelvorkommen lagern auf Grande Terre; das Erz macht 90 Prozent des Exports aus.
Trotz des völligen Desinteresses der meisten Einwohner Neukaledoniens an ihren Naturschätzen und der daraus resultierenden Bedrohung vieler Pflanzenarten ist nahezu die Hälfte der ursprünglichen Vegetation erhalten geblieben. Drei Viertel der 3400 heimischen Pflanzenarten von Neukaledonien wachsen nur hier. Der Pflanzenkundler Pete Lowry nennt das "Schutz durch Vernachlässigung": Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Nouméa, 22 Prozent des Landes besteht aus Regenwald in höheren, unzugänglichen Bergregionen.
Dennoch wurde der Archipel von Neukaledonien Anfang der 90er Jahre zum globalen biologischen Krisengebiet erklärt. Bergbau, Holzgewinnung, Buschfeuer und unzureichende Schutzgebiete bedrohen diese tropische Region von außergewöhnlicher Artenvielfalt.
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