Wie ein Tor zur Neuen Welt sieht die Landschaft um den Takugletscher von oben nicht gerade aus. Wände aus Felsen und Eis stehen im Weg, dazwischen dunkle Fjorde. Dichte Wälder mit undurchdringlichem Unterholz und vielen Bären bedecken die Hügel. Die kalte Einöde, nur wenige Flugminuten von der Stadt Juneau in Alaska entfernt, wirkt primitiv und urtümlich, wie ein Überbleibsel aus jener Zeit, als die Menschen die letzte Region in der gemäßigten Klimazone besiedelten. Sie hatten schon unseren körperlichen und geistigen Entwicklungsstand, und sie verfügten über ein wachsendes Arsenal an Werkzeugen.
Doch gibt es dafür überhaupt Belege? Nein. Noch weiß niemand mit Gewissheit, dass die ersten Menschen, die Amerika besiedelten, auch nur in der Nähe dieses Küstenstreifens vorbeikamen. Dennoch: In der Erforschung der Frage, wer die ersten Amerikaner waren, woher sie kamen und wann sie einwanderten, tut sich viel Neues. Noch vor zehn Jahren erklärten die meisten Fachleute, die frühen Einwanderer seien vor rund 14000 Jahren über die Landbrücke von Sibirien nach Alaska gekommen und dann im Landesinneren durch einen Korridor zwischen kontinentalen Vereisungsflächen nach Süden gezogen.
Heute sind sich die Archäologen, Anthropologen, Genetiker und Linguisten durchaus nicht mehr so einig. Manche Experten verlegen die Besiedlung in einem Zeitraum vor 15000, 20000 oder sogar 30000 Jahren. Andere vermuten, die Menschen seien nicht in einem Schub, sondern in einer Abfolge von Besiedlungswellen eingewandert. Es gibt Theorien, wonach einige per Boot eintrafen. Und in einer sehr kontrovers geführten Diskussion über Schädelformen wird sogar ihre unmittelbare Verwandtschaft mit den heutigen Indianern angezweifelt. Es gibt viele Fragen und Theorien, aber nur wenige gesicherte Antworten.
Über den Takugletscher steuerte ich mein Flugzeug zum Ausgangspunkt einer Völkerwanderung, die über ganz Amerika von Alaska bis Feuerland reichte. An vielen Stätten, die ich während dieser Reise besichtigte, wird mit finanzieller Unterstützung der National Geographic Society gegraben und geforscht.
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