"Schau mal, all die Quallen", sang einst Jimi Hendrix. "Du wirst dann auch sagen: Es ist wunderbar, sich einfach treiben zu lassen, Baby." Schau hin: Unter Wasser, in ihrem ureigenen Element, bewegen sich diese Tiere in einer hypnotischen, kaum fassbaren Schönheit. Dabei bestehen sie vor allem aus Glibber und Schleim. Schwimmer fürchten sie, Fischer hassen sie. Selbst Biologen haben sie lange kaum beobachtet. Dabei sind diese Gallertiere - englisch: Jellyfish - die wohl schönsten und erfolgreichsten Räuber der Meere.
Die Ökologin Jenny Purcell ist fest der Überzeugung, dass Quallen zu den größten Räubern der Welt gehören. "Sie sind allgegenwärtig und fressen ununterbrochen", sagt Purcell. Sie hat einmal Untersuchungen in einer Bucht in British Columbia durchgeführt, wo Heringe in solchen Schwärmen ablaichten, dass das Wasser milchig weiß wurde. Doch dann rottete ein massenhaftes Auftreten der Kristallqualle Aequorea victoria in einem Jahr die gesamte Heringsbrut aus. "Und wenn sie den Fisch nicht direkt dezimieren", sagt sie, "so vertilgen sie seine Nahrung".
Bis in die siebziger Jahre bezogen Meeresbiologen ihre Kenntnisse über Quallen noch hauptsächlich aus der zerstückelten Pampe, die sie mit ihren Netzen aus dem Wasser zogen. 1969 hat Bill Hammer, ein Vogelkundler, der gegen Federn allergisch geworden war, einer ganzen Generation von Wissenschaftlern den Weg zur Quallenforschung unter Wasser bereitet.
Bruce Robinson vom Monterey Bay Aquarium Research Institute erinnert sich an einen gemeinsamen Fischzug: "Hammer starrte die ganze Zeit auf das grässlich aussehende Zeugs, das wir im Netz heraufzogen. Am Ende fragte er: 'Wieso gehen wir nicht einfach runter und schauen uns das an Ort und Stelle an?'"
In den neunziger Jahren sorgte Hammer auch dafür, dass Quallen als Aquariumtiere attraktiv wurden. Er entwarf den so genannten Kreisel, ein Becken, in dem künstliche Strudel dafür sorgen, dass die Quallen sich immer schön in der Mitte des Wasser aufhalten. In den USA sind Quallen inzwischen regelrecht in. Kinder kaufen sie in Form von "Beanie Babys" als Spielzeugtiere, Aquarianer halten sie als Haustiere, und in einem Restaurant in San Francisco nimmt man seinen Drink unter Quallenleuchtern. Nach rund 600 Millionen Jahren Mauerblümchendasein sind die Quallen plötzlich cool.
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