150 Meter über dem Kanal. Unter uns Schaumkronen. Auf den Tragflächen tanzt Regen und peitscht uns ins Gesicht. Unsere Maschine schlingert in tief hängenden Wolken und Windböen. Die Radarstation in Manston, England, meldet: "Mike Yankee, Sie sind doch die Vickers Vimy. Ist das korrekt?" - "Korrekt. Wir sind auf dem Weg nach Kapstadt." - "Großartig!" Über Funk knistern Gefühle, wie man sie von Fluglotsen selten hört. "Viel Glück und guten Flug!"
Drei Wochen später sind wir über Ägypten. Gute Wünsche können wir wirklich brauchen. Mit Tempo 120 haben wir Afrika erst nach 40 Flugstunden erreicht. Der Wind heult in den 112 Drähten der Verspannung, und die Zwillingsmotoren mit ihren 350 PS, eine Spezialanfertigung von BMW, dröhnen ohrenbetäubend neben uns.
Hinter meinem Platz vorn im Bug sitzen, Schulter an Schulter ins Cockpit gezwängt, Chefpilot Mark Rebholz und Kopilot John LaNoue. Mark hat 20000 Flugstunden als Jetliner-Kapitän auf dem Buckel und pflegt eine Leidenschaft für die Anfänge der Fliegerei. John, ein Filmausstatter, trug die Hauptverantwortung für den Bau unseres Flugzeugs, die penible Nachbildung einer Vickers Vimy aus dem Ersten Weltkrieg. Mit einer Spannweite von 21 Metern ist es der größte flugtüchtige Doppeldecker der Welt. Das Original sollte eigentlich Bomben auf Europas Schlachtfelder werfen, kam aber zu spät für den Krieg.
Drei Jahre lang haben wir Geld zusammengekratzt und uns auf die historische Route über Ostafrika für den Flug England-Kapstadt vorbereitet. 1920 nahmen fünf Teams diese Herausforderung an, darunter die zwei Südafrikaner Pierre van Ryneveld und Quintin Brand, die eine Vimy mit dem Namen "Silver Queen" flogen. Alle fünf Teams stürzten ab. Die Südafrikaner flogen zwei Vimys zu Bruch. 45 Tage nach ihrem Start in England bestiegen sie eine von der südafrikanischen Luftwaffe geliehene DH-9 - und schafften es.
79 Jahre später ist der Kampf mit den Behörden oft schwieriger als das Navigieren. Der Sudan verweigert die Landeerlaubnis. Wir müssen elf Länder und zwei Kriegsgebiete überfliegen, müssen mit Buschpisten, Gebirgszügen, knappen Spritvorräten und dem Winter in der südlichen Hemisphäre fertig werden. "Guten Flug" - den Wunsch haben wir wirklich nötig... .
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