Weit draussen im Blau des Pazifiks - 4200 Kilometer südwestlich von Hawaii und 2900 Kilometer nordöstlich von Neuseeland - liegt die kleine Insel Ofu. Das Eiland ist von dichtem Regenwald bedeckt. Nebel umhüllen die Berggipfel, von denen sich Wasserfälle ins Meer ergießen. Ich lasse mich ein paar Meter vom Strand entfernt im kristallklaren Wasser treiben. Nur wenige Zentimeter neben mir schwimmen Langnasenfeilenfische über Korallenkolonien hinweg. Regentropfen prasseln auf die Wasseroberfläche. Stundenlang könnte ich hier so liegen - und tue es auch. Ich befinde mich im Naturschutzgebiet von Amerikanisch-Samoa, einem der neusten, auf jeden Fall aber ungewöhnlichsten amerikanischen Nationalparks.
Der Nationalpark wurde geschaffen, um drei Arten der Sphären zu schützen, die heute durch die Einwirkung des Menschen bedroht sind. Die erste ist der paläotropische Regenwald, dessen Flora und Fauna hauptsächlich aus Südasien stammen. Die zweite ist das indonesische Korallenriff, das erheblich artenreicher ist als Riffe in anderen Meeresregionen.
Bei der dritten bedrohten Sphäre, die sowohl mit den Regenwald als auch mit dem Korallenriff verbunden ist, handelt es sich um die einheimische polynesische Kultur. Handwerk, Gebräuche, Sitten und Wissen bilden fa'aSamoa, die traditionelle samoanische Lebensweise. Sie gehört zu den wertvollsten lebenden Ressourcen des Paka o Amerika Samoa, des 1988 gegründeten und 1997 offiziell eingeweihten Nationalparks. Er könnte sich als Modell dafür erweisen, wie man Naturschutz und tradtionelle Kultur in Einklang bringt.
Nicht einmal 500 Touristen besuchen jährlich das Naturschutzgebiet. Die Mitarbeiter der Nationalparksverwaltung stört es nicht, dass die Tourismusindustrie bisher einen Bogen um das Territorium gemacht hat. Es bestehe keine Notwendigkeit, sagen sie, Paka o Amerika Samoa zu einem Ort des Massentourismus zu machen.
Die Gouverneurin Tauese P. F. Sunia pflichtet dem bei: "Wir müssen die Ressourcen des Territoriums erhalten und der Park ist die beste Möglichkeit dazu. Ob jemand ihn besucht oder nicht, ist zweitrangig." Mir wird klar, dass dies der Ort ist, von dem ich immer geträumt habe - den zu finden ich aber kaum noch gehofft hatte.
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