Am Morgen des 20. September 1999, exakt um 11.22 Uhr, verlässt J. Michael Fay den kleinen Vorposten in einer abgelegenen Region des nördliches Kongo und begibt sich in den Urwald. Es ist der Beginn eines langen und ungewöhnlich ehrgeizigen Marschs. Unter seinen Helfern ist ein älterer Pygmäe namens Ndokanda, der Fay schon auf früheren Abenteuern begleitet hat. Ausgerüstet mit einer neuen Machete hat er die zweifelhafte Ehre, den Weg durch den Busch zu bahnen. Ebenfalls im Tross: neun weitere Pygmäen, die wasserdichte Säcke mit Verpflegung und Ausrüstung tragen, dazwischen der Lagerchef und Koch, einige Hilfskräfte, Fotograf Michael ("Nick") Nichols und ich.
Fay will einmal quer durch Zentralafrika marschieren, vom nordöstlichen Kongo bis zur Küste von Gabun. Die sorgsam geplante Route, annähernd 2000 Kilometer lang, wird ihn durch die tropischen Urwälder und Sümpfe einer unwirtlichen Region führen. Mindestens ein Jahr hat er für die Reise eingeplant. Er wird Nachschub per Flugzeugabwurf bekommen und - wenn notwendig - mit dem Satellitentelefon Kontakt zur Außenwelt aufnehmen. Im Notfall wird er eine längere Pause einlegen, aber er hat sich fest vorgenommen, die Strecke in einem Stück zurückzulegen. Zunächst wird er im Norden das Kongobecken durchqueren, danach auf die andere Seite der Wasserscheide wechseln, um einem weiteren Strom, dem Ogowe, zur Mündung zu folgen.
Auf seinem Marsch wird Fay mit allen erdenklichen Hilfsmitteln Daten sammeln, mit digitalem Kamera- und Audio-Equipment, dem GPS, einem Thermohygrometer, das automatisch Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufzeichnet, mit einem tragbaren Computer, digitalen Messinstrumenten und einem Handmikroskop, um auch kleinste Lebewesen unter die Lupe zu nehmen - und nicht zuletzt mit Stift und Notizbuch. Das Topofil ergänzt kurios, aber sinnvoll die Ausrüstung.
Alle große Projekte brauchen einen Namen. Fay hat seines "Megatransect" getauft: transect steht für Transsektion oder auch Geländequerschnitt. Mit dieser Methode markieren Biologen ein repräsentatives Forschungsgebiet in der freien Natur.
Hinter der verbalen Flapsigkeit liegt eine ernste Absicht. Fay wird beobachten, zählen und messen. Und aus den gewonnenen Daten will er die Innenansicht eines zentralafrikanischen Urwalds zeichnen, bevor er unwiederbringlich dem unersättlichen Appetit der Menschheit zum Opfer fällt. Die größte Herausforderung aber wartet auf ihn, wenn er sein Ziel erreicht hat. Wird er dem eigenen Anspruch genügen? Kann er seine empirischen Daten dafür einsetzen, diese afrikanischen Urwälder zu erhalten?
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