"Guten Morgen Kinder, aufwachen!" Judy McConnery ruft laut in das Schlafgehege. Vier erwartungsfrohe Gesichter tauchen am Gitter auf, acht haarige Arme recken sich zwischen den Holzstäben hindurch.
Das Quartett stimmt ein flehentliches Fiepen an. In der Gorillasprache bedeutet das: "Wo bleibt unser Frühstück?" Es ist sieben Uhr, im Gorilla-Waisen-Camp an der kongolesischen Atlantikküste hat die morgendliche Routine begonnen. Das Lager im Tchimpounga-Reservat des Jane-Goodall-Instituts dient insgesamt elf Flachlandgorillas als vorübergehendes Zuhause. Die meisten von ihnen sind bushmeat-Waisen: Ihre Mütter wurden von Jägern erschlagen und geschlachtet, das Fleisch wurde in Dschungelcamps geräuchert und dann, oft als Schmuggelware auf Holztransportern versteckt, in die Städte oder Dörfer gebracht.
Die kleinen Gorillas, verletzlich und zuwendungsbedürftig wie Menschenbabys, sind Schützlinge des Projet Protection des Gorilles (PPG), das sich zum Ziel gesetzt hat, verwaiste Gorillas zu retten, in einer sozial intakten Gruppe aufzuziehen und dann in Schutzgebieten im Kongo und in Gabun wieder freizulassen.
Finanziert wird das vor zwölf Jahren begonnene Projekt von dem britischen Glücksspielmagnaten John Aspinall, der mit Pferderennen und Glücksspiel das große Geld machte. Kritiker des PPG behaupten, die Langzeitbetreuung von Gorilla-Waisen sei lediglich teure Gefühlsduselei, nutzlos und fehlgeleitet. Man solle das Geld doch lieber in den Schutz bedrohter Lebensräume investieren und so das Überleben der Art langfristig sichern.
"Dass es sich bei dem Projekt um Liebhaberei handelt, kann ich nur bestätigen", sagt John Aspinall: "Aber das trifft auch auf Leute zu, die Impressionisten sammeln. Ich tue das, weil es mir Freude bereitet. Und Gott sei Dank kann ich es mir leisten."
Während in Afrika die Gorilla-Waisen auf ein Leben ohne ständige menschliche Fürsorge vorbereitet werden, bauen in Leipzig Wissenschaftler das größte Affenhaus der Welt. Dort will man Denken und Fühlen der Menschenaffen erforschen. Vor allem aber ihre biologische Nähe zum Menschen.
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