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Artikel vom 01.09.2001  —  Autor: Carl Zimmer

Manchmal komme ich mir alt vor. Dann betrachte ich den Stein, der am Rand meines Schreibtischs liegt. Es ist ein dunkelgrauer Klumpen aus granitartigem Gneis. Ich habe ihn am Acasta River in Kanada gefunden. Er sieht aus wie jedes andere Stück Gneis. Aber er stammt aus einer mehr als vier Milliarden Jahre alten Felsformation. Es ist das älteste Gestein, das bislang auf der Erde entdeckt wurde.

Seit den Kindertagen unseres Planeten haben ihn die Atome, aus denen er besteht, zusammengehalten - selbst als Kontinente auseinander rissen und sich neu ordneten. Aber woher wissen wir das? Die Lösung des Rätsels liegt in den Atomen selbst. In ihnen ticken Uhren. Wissenschaftler haben gelernt, diese Zeit abzulesen und so das Alter von Knochen, Gesteinen, Planeten und Sternen zu bestimmen.

Die Forscher können mit diesen Zeitmessern auch die Kräfte verstehen, die unsere Galaxis, die Kontinente, das Leben und die menschliche Kultur geformt haben. Doch mit den unfassbaren Größenordnungen der Naturgeschichte kann die Menschheitsgeschichte nicht mithalten.

Würde man das Alter des Universums, etwa 13 Milliarden Jahre, in einem einzigen Sommertag zusammenfassen, dann wären die letzten 100 000 Jahre mit der ganzen Geschichte der modernen Menschen, den Anfängen der Landwirtschaft und der gesamten schriftlich festgehaltenen Historie des Homo sapiens nicht mehr als das kurze Aufflackern eines Glühwürmchens bei Sonnenuntergang.


(NG, Heft 9 / 2001)
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