Rosa ist der Renner in diesem Jahr. Pastellfarben allgemein sind in Mode bei c und Tulpen, Gerbera und Chrysanthemen. Noch 1999 lockten Blumen in leuchtendem Orange und tiefem Rot die Käufer. Seit vergangenem Jahr geht der Trend ins Dezente: Cremefarben soll es sein, Weiß oder allenfalls ein helles, ins Grüne spielendes Gelb. Stephan Braun muss es wissen. Er ist der Sprecher des Zentralverbands Gartenbau in Bonn, der deutschen Organisation einer weltweit boomenden Branche - des internationalen Blumenhandels.
Zehn Milliarden Schnittblumen haben allein die Deutschen im vergangenen Jahr gekauft. Pro Kopf also sechs Sträuße mit durchschnittlich 20 Blumen. 152 Mark hat jeder von uns, statistisch, für Geburtstage oder Beerdigungen, zum Muttertag oder zuweilen gegen sein schlechtes Gewissen ausgegeben. Das meiste davon kassierten unsere Nachbarn in den Niederlanden. Denn nur zwei Milliarden dieser zehn Milliarden Schnittblumen stammten aus dem eigenen Land. Keine Nation auf der Welt importiert mehr Schnittblumen als die deutsche. Acht Milliarden Blumen wurden zu Land, zu Wasser und auf dem Luftweg herangeschafft. 80 Prozent davon aus Holland, der Rest wurde vor allem aus Italien, Kolumbien, Israel und Kenia angeliefert. Von den 1,4 Milliarden Rosen, die in Deutschland im vergangenen Jahr verkauft wurden, kamen 900 Millionen aus dem Ausland.
Die meisten Blumen aus Afrika und Südamerika nehmen den Umweg über die Niederlande. Was die Holländer an Tulpen, Nelken und Narzissen nicht selber anbauen, das wird immerhin bei ihnen verkauft.
Holland exportiert mehr Schnittblumen als jedes andere Land der Welt. 60 Prozent des gesamten globalen Schnittblumenexports laufen hier durch nur sieben Auktionshäuser, der größte Teil davon durch das Blumenauktionshaus Aalsmeer südwestlich von Amsterdam.
Aalsmeer ist unter den Auktionshäusern, was Schanghai unter den Städten ist und der Mount Everest unter den Bergen: ein Gigant. Im Sekundentakt fallen Kaufentscheidungen, die konkurrierenden Händler ordern über Computer und Mikrofon. Der weltweite Luftverkehr und das Internet fördern diese Entwicklung. Woher ihre Blumen aber kommen, diese Frage wird sich die Mehrheit der Blumenkäufer, die für das Wochenende oder zum Osterbesuch bei der Schwiegermutter einen Strauß sucht, vermutlich gar nicht stellen. Viel wichtiger wird es für sie sein, den aktuellen Geschmack zu treffen. Also Finger weg von Orange und grellem Gelb. Lichtblau, Cremeweiß und Wangenrosa, so sieht die floristische Erfolgskombination im Frühjahr 2001 aus.
DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion
blog comments powered by Disqus